E-Learning & Learning E: Auf dem Weg zu vernetztem Lernen
Ziel des Projekts ist es, den Interaktionsraum bei wissenschaftlichen Veranstaltungen, insbesondere Seminaren zu erweitern. Dies betrifft einerseits das Einbeziehen von internationalen Expert*innen über Online-Plattformen. So konnten zum Beispiel renommierte Wissenschaftler*innen aus anderen Ländern oder Kontinenten für Vorträge gewonnen werden, die sonst aufgrund von zeitlichen und/oder finanziellen Limitierungen nicht verfügbar gewesen wären. Andererseits wurde auch der Austausch via Online-Tools gefördert, z.B. bei der Vorbereitung von Seminarvorträgen durch die Studierenden. Die Lehr- und Lerninnovation erfolgte in den Studiengängen Energy Science und Physik im Rahmen des MultioptiX-Webinars sowie des Energy Science Colloquiums (Energy Systems Compared 1).
Die Ausgangsidee für das Projekt war, renommierte internationale Experten für Seminarvorträge zu gewinnen, selbst wenn sich für diese der Reiseaufwand nicht lohnen würde. Erweiternd dazu haben wir ein Seminar als „Webinar“ ausgelegt, in dem sich die Teilnehmenden in einem Online-Raum treffen, unabhängig davon, wo sie sich real befinden. Die Vorträge werden zudem aufgenommen, sodass sie die Teilnehmenden genauso zu einem von ihnen frei wählbaren späteren Zeitpunkt ansehen können. Dies schafft örtliche und zeitliche Flexibilität im Lernen (bzw. durch aufgezeichnete Vorträge auch im Lehren). Im nächsten Schritt findet die Diskussion der Seminarvorträge – vor- oder nachbereitend – online statt. Das gemeinsame Arbeiten in Dokumenten und der Ideenaustausch im digitalen Raum rücken hier in den Vordergrund.
Was ist für Sie das Faszinierende an Ihrem Projekt?
Das Faszinierende am Projekt ist, dass neben dem Effekt des E-Learnings, also des Lernens durch digitale Medien, das „Learning E“ ein zentraler Punkt wird. Die Teilnehmenden waren angehalten, aktiv Vorschläge einzubringen, wie die Online-Interaktion am gewinnbringendsten gestaltet werden kann und diese umzusetzen. Dabei wächst das Wissen im Umgang mit den digitalen Medien und die Offenheit neue Wege auszuprobieren.
Was war für Sie der größte Erfolg?
Neben dem Gewinnen von Vortragenden und Diskussionspartnern aus z.B. Frankreich, Slowenien, Saudi-Arabien oder China, ist als ein großer Erfolg der Wissensgewinn im Bereich der Online-Kommunikation zu werten. So ist es uns gelungen, eine Infrastruktur für die Online-Interaktion zu schaffen, die durch ausgesuchte Software und Hardware die geeigneten Rahmenbedingungen stellt. Die mobile Einsatzplattform kann in verschiedene Veranstaltungen gebracht werden und als Beispiel für weitere Aufbauten dienen.
Wenn Sie Ihr Vorhaben morgen mit der Erfahrung von heute erneut beginnen würden, was würden Sie anders machen, was beibehalten?
Den Grundansatz einer Online-Plattform für Vorträge und Diskussionen von Teilnehmenden unabhängig von örtlichen oder zeitlichen Rahmenbedingungen würde ich auf jeden Fall beibehalten. Zur Umsetzung ist es wichtig, eine Veranstaltung zu finden, die das neue Format vollumfänglich erlaubt – wie es uns nur durch das Webinar umfassend gelungen ist. Praktisches Hindernis kann eine sich ändernde universitätsinterne Verfügbarkeit von Software sein, auf die wir in Zukunft von Anfang an mehr achten würden.
Welche Tipps möchten Sie Ihren Kolleg*innen geben?
Seien Sie offen! Dies betrifft nicht nur die Anbietendenden von E-Learning-Projekten, sondern auch jene, die mehr oder weniger am Rande von den Ein- und Auswirkungen der Projekte betroffen sind. Nur wenn eine allgemeine Offenheit der Kolleg*innen für digitale Medien vorhanden ist, kann diese positiv auf die Studierenden überspringen. Wenn die Infrastruktur kein Hemmnis mehr darstellt und das digitale Arbeiten für uns ganz alltäglich geworden ist, dann ist es auch für die Studierenden ganz natürlich.
Der moderne Arbeitsmarkt ist geprägt von zunehmender Digitalisierung, Internationalisierung und Flexibilisierung der Zusammenarbeit. Nicht selten arbeiten Kolleg*innen aus Asien, Amerika und Europa am gleichen Projekt und sind für den gegenseitigen Austausch auf neueste Technologien der Vernetzung angewiesen, die helfen, räumliche und zeitliche Barrieren zu überwinden. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Notwendigkeit, bereits früh im Studium in Kontakt mit entsprechender IT-Infrastruktur zu kommen und das Arbeiten damit zur Alltäglichkeit werden zu lassen. Konkret im Rahmen des Studiums sind es das Hören und Halten von Vorträgen auf internationalen Plattformen und die interaktive, räumlich delokalisierte Zusammenarbeit, die für die Studierenden von Relevanz sind. Dies spielt insbesondere in den Naturwissenschaften eine Rolle, ist jedoch auch auf andere Fachbereiche übertragbar.
Anwendung fanden die Online-Vorträge im Rahmen des MultioptiX-Webinars, wie auch des Energy Science Colloquiums (Energy Systems Compared 1). Hierdurch konnten z.B. Sprecher*innen aus Slowenien oder Frankreich gewonnen werden, für die eine Reise nach Duisburg zu aufwändig gewesen wäre. Aber auch kurzfristig aufgrund von Messezeiten sonst verhinderte Sprecher*innen aus Deutschland waren über die Online-Vorträge zugegen. Die Aufnahmen erlauben es nicht nur den Teilnehmenden, die nicht anwesend sein können, später die Vorträge anzuschauen, sondern auch den Sprecher*innen, sich im Nachhinein kritisch selbst zu betrachten.
Durch die Gestaltung der Lehrveranstaltung über Online-Plattformen wird auch die Präsenz am Campus hinfällig. Da zudem die Option besteht, Vorträge aufzuzeichnen, können diese auch zu einem späteren Zeitpunkt erst gehört werden. Zusammen mit individuell abstimmbaren Zeiten für Diskussionen wird so eine maximale zeitliche und räumliche Flexibilisierung erreicht. Langfristig können selbst Prüfungen – in Form eines Seminarvortrags – von diesen geänderten Rahmenbedingungen unmittelbar profitieren.
Mit dem Projekt wurde der Grundstein für den Einsatz eines Tools für Online-Vorträge und -Diskussionen geschaffen. Sowohl Hardware- als auch softwareseitig steht die Infrastruktur bereit und ist entsprechend dokumentiert. Im Laufe des Einsatzes in verschiedenen Veranstaltungen wurden diverse Softwareoptionen getestet
Insgesamt ist zu beobachten, dass seitens der Sprecher*innen trotz des Angebots eines Online-Vortrags oft ein persönliches Kommen favorisiert wurde. Auch seitens der Studierenden wurde berichtet, dass Sprecher*innen vor Ort gefühlsmäßig bevorzugt werden. Interessanterweise sind diese Kommentare im Wesentlichen dem Energy Science Colloquium für Bachelorstudierende zuzuordnen. Im MultioptiX-Webinar, das sich mehr an Promovierende und Promovierte richtet, wurde das Vortragen über Software und Mitschneiden der Vorträge bereits als Gewohnheit etabliert, sodass sich hier eine höhere Selbstverständlichkeit entwickelt hat. Ab dem Moment, ab dem die technischen Herausforderungen gut gemeistert werden können, lässt sich die Akzeptanz erhöhen.
Hinsichtlich der Akzeptanz unter den Studierenden und Lehrenden gilt es, in der Zukunft die Möglichkeit der Online-Partizipation weiter zu etablieren und zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Ganz klar sind erste Hemmschwellen zu erkennen, sodass es an dieser Stelle wichtig ist, in einem vertrauten Umfeld, dann darüber hinaus mit einer zuverlässig laufenden Technik zu arbeiten. Je mehr E-Learning zum Einsatz kommt, umso mehr wir auch Learning E zur Selbstverständlichkeit und es kann ein Eigeninteresse aller Teilnehmenden an der Weiterentwicklung entstehen.
Zuletzt aktualisiert: Dez. 1, 2025
Prof. Dr. Martina Schmid
Fakultät für Physik
Institut für experimentelle Physik
martina.schmid@uni-due.de





