Der K(a)i-Lernbegleiter für Studierende der Sozialen Arbeit

Der K(a)i-Lernbegleiter für Studierende der Sozialen Arbeit

Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik

Organisationseinheit

Bachelor

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

Format

05/2025 bis 05/2026

Förderzeitraum

Ziel ist der Entwurf und die Konzeption eines zweistufigen KI-Lernbegleiters K(a)i für Studierende der Sozialen Arbeit. Schritt eins ist Wissenserwerb über zentrale Begriffe und Konzepte dieser Theorien lernförderlich zu unterstützen, sodass mehr Zeit für Fragen des Transfers in die Praxis und die Reflexion des eigenen Professionsverständnisses bleibt. Schritt 2 ist die Erweiterung des Lernbegleiters als sokratischer Dialogpartner zur Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen. Erste Erfahrungen erfolgen an einem meiner Seminare (Lektürekurs) zur Dienstleistungstheorie der Sozialen Arbeit.

Studierende im Bachelorstudiengang der Soziale Arbeit müssen sich im Abschlussmodul 15 „Soziale Arbeit als Profession II“ noch einmal intensiv mit den sogenannten „Groß-“Theorien der Sozialen Arbeit beschäftigen. Gemeint sind zentrale Theorien, die unter Kernaspekten zusammengefasst werden wie System- und Dienstleistungstheorien. Das ist das Abschlussmodul vor der Bachelorarbeit mit einer Vorlesung und verschiedenen Seminaren. Es endet mit einer mündlichen Prüfung. Diese hat den Schwerpunkt auf eine der Theorien, die in Seminaren vertieft werden. Seit 2019 hatte ich die Gelegenheit, z.B. Systemtheorien und Dienstleistungstheorien Sozialer Arbeit zu lehren. Die meisten Studierenden möchten danach direkt in die Praxis wechseln.

 Ziel des Abschlussmoduls 15 ist die Reflexion der eigenen Profession:

  1. „Was kann ich als Sozialarbeiter/Sozialarbeiterin?“
  2. „Wie kann ich meine Arbeit in der Praxis der Sozialen Arbeit theoretisch reflektieren, anwenden und rechtfertigen?“

Großtheorien Sozialer Arbeit sind häufig von Wissenschaftlern benachbarter Disziplinen wie Soziologie, Ökonomie und Psychologie geschrieben worden. Sie setzen oft wissenschaftliche Konzepte und Fachbegriffe als bekannt voraus. Das kann Studierende der Sozialen Arbeit abschrecken und demotivieren. Die Erfahrungen zeigen, dass Studierende im Seminar zu viel Zeit benötigen, diese Grundlagen zu klären. Diese Zeit fehlt, sich mit den Aspekten des Transfers zu beschäftigen, der wiederum elementar ist für die mündliche Prüfung.

Wie kann nun ein digitaler K(a)i-Lernbegleiter als generative KI in Form eines Chatbots helfen, Studierenden zweistufig erweiterte Möglichkeiten anzubieten a) Wissen zu generieren und b) Transfer und Argumentationen für die mündliche Prüfung zu entwickeln und zu testen? Die konkrete Seminarsituation ist eingebunden in ein Konzept des Blended-Learnings. Onlinetreffen über Video und Präsenzphasen wechseln sich ab. Die Studierenden bereiten zu jeder Sitzung einen Leseabschnitt vor und gehen diesen anhand von Leitfragen in Kleingruppen durch. Es werden in den Onlineveranstaltungen digitale Tools verwendet wie Whiteboards, Lernmaps, Lernlandschaften. Diese ergänzen die Kleingruppenarbeit und so können Ergebnisse der Kleingruppen in die Großgruppe zurückgespiegelt und für alle festgehalten werden.

 

Der K(a)i-Lernbegleiter soll hier nur ergänzend wirken. Zum Beispiel als asynchrones Tool, welches bei der Vorbereitung des Leseabschnittes hilft, z.B. bei „schwierigen“ Konzepten und Fachbegriffen aus anderen Disziplinen, Hintergrundwissen zu generieren, welches so nicht im Basistext erklärt wird.

 

Des Weiteren ist geplant, den K(a)i-Lernbegleiter so auszubauen, dass Studierende diesen als sokratischen Dialogpartner verwenden können. Thesen und Argumente für die mündliche Prüfung vorab unabhängig vom Seminar im Gespräch mit Studierenden und dem Dozenten bzw. der Dozentin in einem „stressfreien“ Raum vorab testen können.

Die Arbeit an Konzept und Entwurf des K(a)i-Lernbegleiters hat in den ersten Umsetzungen im Seminar zu wertvollen Erkenntnissen geführt. Diese konnten in den Forschungsantrag zur Förderung innovativer Lehr- und Lernkonzepte eingebaut werden. Ziel ist es, den „K(a)i-Lernbegleiter für Studierende der Sozialen Arbeit“ nun zum endgültigen Lehreinsatz weiterzuentwickeln.

Zahlreiche Aspekte, die zu Beginn des Projektes so nicht abzusehen waren, haben sich ergeben. So etwa, dass Studierende die generative KI anders einsetzen, als es der Dozent gedacht hat. Studierende nutzen mitunter, die ihnen bekannten KI-Modelle, um sich den Basistext zusammenfassen zu lassen mit den wichtigsten Stichpunkten. Dadurch leidet die eigenständige Auseinandersetzung mit dem Basistext, der nach wie vor aus Sicht des Dozenten die eigenständige Auseinandersetzung beinhaltet.

Es ergeben sich zahlreiche rechtliche Fragen wie Urheberrecht und Datenschutz, die Studierenden nicht klar sind und in der Umsetzung noch viel stärker berücksichtigt werden müssen. Der digitale Lernbegleiter dagegen soll keine Texte zusammenfassen, sondern ergänzende Informationen bereitstellen, die nicht im Basistext stehen und als digitaler Gesprächspartner helfen, besser argumentieren zu lernen. Ein weiteres Problem ist die Halluzination der generativen KI. Dies ist von zentraler Bedeutung und vielen Studierenden zu wenig bekannt. Häufig werden deren Ergebnisse unreflektiert übernommen. Somit muss der Umgang mit dem K(a)i-Lernbegleiter in Zukunft viel stärker von Beginn des Seminars an mit den Studierenden erlernt und begleitet werden. Was kann ein solches Tool und was nicht?

Ein K(a)i-Lernbegleiter kann nur ergänzend eingesetzt werden. Er kann aber weder die eigenständige Arbeit mit dem Basistext ersetzen, noch das kritische Reflektieren der Ergebnisse des Chatbots. Ebenso wenig ersetzt ein Chatbot die Auseinandersetzung mit den anderen Studierenden und dem Dozenten bzw. der Dozentin. Hier ist noch viel Forschungsarbeit nötig.

  • Durchführung des innovativen Lehrprojekts: Start im SoSe 2025 Konzeption und erste Umsetzungen des KI-Lernbegleiters K(a)I.
  • Thema: Wie lassen sich digitale Lehrsituationen und /-methoden im Studium der Sozialen Arbeit lernförderlich in der Vermittlung der zentralen Theorien der Sozialen Arbeit einsetzen?

Zuletzt aktualisiert: Juni 3, 2026

  • Kai-Michael Richartz, Dipl.-Volksw. / Dipl.-Soz.arb. (FH)

    Fakultät für Bildungswissenschaften

    Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik

    kai-michael.richartz@uni-due.de