Training Lab: Bewegung forschend verstehen
In der Lehrveranstaltung Vertiefung Trainingslehre setzen sich die Studierenden mit grundlegenden wissenschaftlichen Themen des Fachs Sport auseinander, indem die Studierenden u. a. eine wissenschaftliche Analyse von Sprungvariationen durchführen.
Für die meisten Lehramtsstudierenden im Fach Sport steht das Interesse an einer tieferen Auseinandersetzung mit grundlegenden wissenschaftlichen Themen nicht im Vordergrund. Nur ein vergleichsweiser kleiner Anteil der Absolvent*innen wird in den Feldern Hochschule, Forschung und Entwicklung tätig sein. Die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Themen ist jedoch zentral für eine kritische Auseinandersetzung mit dem erworbenen Wissen. Auch ist die grundlegende wissenschaftliche Ausbildung für angehende Sportlehrer*innen notwendig, um die bewegungs- und gesundheitsfördernden Wirkungen von Sport zu kennen. Ein Problem ist jedoch, dass weder ein fakultätsübergreifendes noch ein fachspezifisches Modul existiert, in dem wissenschaftliche Methoden und grundlegende Statistikkenntnisse erworben werden können. Das für das 3./5. Semester vorgesehene Modul K Adaptation biologischer Systeme sieht aber vor, dass die Studierenden „wissenschaftliche Kenntnisse“ anwenden sollen. Die Herausforderung für die Lehrenden in diesem Modul (insbesondere die Veranstaltungen K1a/b Vertiefung Biomechanik/Trainingslehre) besteht daher darin, mit Studierenden ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse wissenschaftlich zu arbeiten und zugleich neue biomechanische und trainingswissenschaftliche Inhalte zu vermitteln. Um dem geforderten Anspruch gerecht zu werden, wurde im Sommersemester 2018 das Lehrprojekt Training Lab: Bewegung forschend verstehen durchgeführt. Das Ziel hierbei war, dass die Studierenden Wissenschaft und Forschung als Prozess verstehen und ihre Einordnung in einen interdisziplinären Kontext erfahren. Hierdurch sollten die Studierenden in die Lage versetzt werden, die Praxis theoretisch zu durchdringen und die Theorie auf die Praxis auszulegen.
Die wissenschaftlichen Arbeiten der Professur für Trainings- und Bewegungswissenschaft/Biomechanik des Sports besitzen experimentellen Charakter. Hierfür steht das Biomechaniklabor zur Verfügung, das mit verschiedenen Messsystemen zur Erfassung von kinematischen, kinetischen und elektromyographischen Messgrößen bei der Ausführung von Bewegungen ausgestattet ist. Durch die didaktische und inhaltliche Neugestaltung des K-Moduls wurde angestrebt, einen forschungsorientierten Lernansatz langfristig zu etablieren. Die Herausforderung bestand darin, eine für ein experimentelles Vorgehen vergleichsweise hohe Teilnehmeranzahl mit verschiedenen wissenschaftlichen Fragestellungen auszustatten, denen im Labor nachgegangen werden sollte. Als Schlüssel zur Lösung dieses Problems bot sich die Analyse von Sprungvariationen an, denen hinsichtlich der auftretenden Ortsveränderungen, Kräfte und muskulären Aktivierung wissenschaftlich nachgegangen werden sollte. Der Sprung repräsentiert mit dem Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus eine omnipräsente Bewegungsform, der die Basis für sportliche und alltägliche Wurf-, Sprint- und Laufbewegungen darstellt. Demzufolge sollte sich nahezu jede/r Sportstudierende hinsichtlich ihres/seines eigenen Bewegungsverhaltens in der wissenschaftlichen Analyse des Sprungs wiederfinden.
Den Studierenden wurden ausgewählte biomechanische Untersuchungsverfahren (Kraftmessplatte, Lichtschranke, Kontaktmatte, Oberflächenelektromyographie) zur Analyse von Sprungvariationen vorgestellt. Unter Reflexion des erarbeiteten Wissens wurden in Kleingruppen von fünf bis sechs Studierenden Fragestellungen und Arbeitshypothesen für Sprunganalysen erarbeitet. Diesbezüglich wurden die Studierenden sensibilisiert, Gütekriterien (Validität, Reliabilität, Objektivität) wissenschaftlicher Experimente zu hinterfragen und diese in die Findung ihrer konkreten Fragestellung einzubeziehen. Einfache, inferenzstatistische Methoden, wie z. B. der t-Test für verbundene oder nicht-verbundene Stichproben, wurden besprochen und deren Anwendung vorgestellt. Die Phase endete mit einer dozentengesteuerten Hypothesenfindung und der konzeptionellen Planung einer experimentellen Laborphase. Der erste Meilenstein der Lehrveranstaltung war die Anfertigung eines einseitigen Abstracts zu einem ausgewählten Thema der Neuromechanik der Skelettmuskulatur (z. B. Aufbau, Kontraktionsweise, neuronale Aktivierung, Kraft-Winkel- u. Kraft-Geschwindigkeit-Relation). Der zweite Meilenstein beinhaltete die Anfertigung eines dreiseitigen Konzepts für die Durchführung eines Experiments (z. B. Hock- vs. Hockstreck- vs. Niederhochsprung; Niederhochsprung aus niedrigen vs. mittleren Höhen; Hockstrecksprung auf festem vs. weichem Untergrund). Die Machbarkeit des Experiments wurde mit den Dozierenden diskutiert, um schlussendlich das durchzuführende Untersuchungsdesign festzulegen. Die nachfolgende experimentelle Phase (3. Meilenstein) fand im Biomechaniklabor statt. Hierfür standen sich die Seminarteilnehmer*innen gegenseitig als Versuchspersonen zur Verfügung. Diese Phase umfasste vier Labortermine und diente der praktischen Durchführung von Querschnitts-, Reliabilitäts- oder Validitätsanalysen. Das Lehrprojekt endete mit der Datenauswertung sowie der Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse als 4. Meilenstein. Die Präsentationen orientierten sich an denen wissenschaftlicher Fachkonferenzen (d.h. Gliederung der Präsentation in Problemstellung, Methodik, Ergebnisse, Diskussion, Schlussfolgerung). Dabei konnten die Gruppen zwischen den Formaten mündliche Präsentation (10-minütiger Vortrag plus 5-minütige Diskussion) sowie Posterpräsentation (3-minütiger Vortrag plus 5-minütige Diskussion) wählen. Die Präsentationen wurden durch die Dozierenden geleitet.
Durch die angeleitete Konzipierung und selbständige Durchführung sowie Auswertung einer Fragestellung haben die Studierenden Erfahrungen in der Anwendung wissenschaftlicher Methoden und grundlegender Statistikkenntnisse gesammelt.
Zuletzt aktualisiert: Nov. 27, 2025
Prof. Dr. Thomas Mühlbauer
Fakultät für Bildungswissenschaften
Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften
thomas.muehlbauer@uni-due.de
(0201) - 183 7333





