Next Level Bautechnik – Integration des 3D Makerspace zur Förderung räumlichen Denkens in der bautechnischen Lehramtsausbildung
Die Lehr-Lerninnovation integriert den 3D Makerspace in die Lehre der Fachdidaktik Bautechnik. Studierende entwickeln im Design-Thinking-Prozess Prototypen mit VR oder 3D-Druck zur Förderung räumlichen Denkens und testen diese unter Realbedingungen im Praxissemester. Das Projekt richtet sich an Lehramtsstudierende für das Berufskolleg mit den Fachrichtungen Bautechnik/ Tiefbautechnik und verbindet Technologien und schulischen Praxistransfer in der Hochschullehre.
Die fortschreitende Digitalisierung verändert Baupraxis und Bildungsanforderungen grundlegend. BIM, VR oder 3D-Druck prägen zukünftige Arbeitsprozesse in der Baubranche und erfordern neue Kompetenzen wie räumliche Intelligenz, digitale Mündigkeit, Prototyping- und Problemlösekompetenz. Gleichzeitig zeigt sich in der bautechnischen Lehre häufig, dass Lernende Schwierigkeiten haben, technische Darstellungen wie Drei-Tafel-Projektionen oder komplexe Baupläne mental zu erschließen. Da die Arbeit in der Bautechnik wesentlich über graphische Darstellungen gestützt wird, bildet räumliches Denken eine grundlegende Schlüsselkompetenz. Ausgangspunkt des Projekts war daher die Frage, wie räumliches Denken handlungsorientiert gefördert werden kann. Ziel ist es angehende Lehrkräfte zeitgemäß und zukunftsorientiert zu qualifizieren. Hierzu werden Studierende frühzeitig mit digitalen Technologien und dem experimentellen Raum des Makerspaces vertraut gemacht um eine Brücke zwischen Hochschullehre, digitaler Baupraxis und späterer Unterrichtstätigkeit zu schlagen. Verankert wird die Lehr-Lerninnovation im Bachelorabschnitt im Modul „Grundlagen der Digitalisierung im Bauwesen“ und im Masterabschnitt in dem Begleitseminar des Praxissemesters.
Die Lehr-Lerninnovation ist als projektbasierte Lerneinheit konzipiert, die den Design-Thinking-Prozess mit dem Ansatz der Maker-Education verbindet. Ziel ist die Förderung räumlicher Vorstellungskompetenz, sowie digitaler und problemlösender Handlungskompetenzen durch aktives Gestalten und iterative Entwicklungsprozesse.
Zu Beginn der Lerneinheit erwerben die Studierenden grundlegende Kenntnisse zu Visualisierungsformen im Bauwesen sowie zu kognitiven Voraussetzungen räumlichen Denkens. Sie setzen sich mit förderlichen Bedingungen und typischen Verständnishindernissen beim Umgang mit abstrakten Darstellungen auseinander und reflektieren die eigene Visualisierungskompetenz im Selbsttest. Parallel lernen sie in praxisorientierten Workshops 3D-Technologien im Makerspace kennen und erproben diese explorativ. Diese inhaltliche und technologische Fundierung bildet die Grundlage für die anschließende projektbasierte Arbeitsphase, die entlang des Design-Thinking-Prozesses strukturiert ist:
- Im ersten Schritt versetzen sich die Studierenden in die Perspektive der Zielgruppe. Gerade zu Beginn des Studiums gelingt es ihnen besonders gut, durch die die geringe Routinisierung im Umgang mit Zeichnungen und Modellen, Schwierigkeiten im Umgang mit abstrakten Darstellungen nachzuvollziehen. Dadurch entsteht ein authentischer Zugang zur Problemstellung.
- Darauf folgt die präzise Definition der Herausforderung. Die Studierenden formulieren konkrete Fragestellungen, etwa wie räumliche Visualisierungen für Lernende verständlicher gestaltet werden können.
- In der Ideenphase entwickeln sie Lösungsansätze und bewerten diese hinsichtlich Umsetzbarkeit und Nutzen Sie wählen eine Vorzugsvariante, welche im nächsten Schritt weiterbearbeitet wird.
- In der Prototyping-Phase entstehen erste physische oder digitale Modelle, beispielsweise 3D-gedruckte Körper. Die iterative Weiterentwicklung der Prototypen erfolgt im 3D Makerspace, der als explorativer Lernraum fungiert.
- Im anschließenden Test werden die entwickelten Prototypen im schulischen Praxissemester eingesetzt und unter Realbedingungen erprobt. Die Studierenden evaluieren ihre Konzepte, reflektieren deren Wirkung auf die räumliche Vorstellungskraft von Schülerinnen und Schülern und überarbeiten ihre Lösungen.
Das didaktische Fundament bildet der Ansatz der Maker-Education. Zentrale Elemente sind der niedrigschwellige Zugang zu Technologien, eigenständige Exploration, eine konstruktive Fehlerkultur sowie Lernen durch Prototyping. Dadurch wird der Fokus auf die Entwicklung von Handlungskompetenzen und Prozessorientierung gestärkt.
Die Lehr-Lerninnovation verändert die Hochschullehre methodisch durch projektbasiertes und iteratives Arbeiten, medial durch die Integration von 3D-Technologien und curricular durch eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis. Prüfungsdidaktisch rücken Prozessdokumentation, Reflexion und Innovationsfähigkeit stärker in den Mittelpunkt als rein reproduktive Leistungsnachweise.
Der erste Durchgang zeigte eine hohe Motivation und Beteiligung der Studierenden im Makerspace. Besonders positiv wurde die Möglichkeit bewertet, eigene Ideen praktisch umzusetzen und Technologien explorativ zu nutzen. Die Arbeit an realitätsnahen Problemstellungen förderte sowohl räumliches Denken als auch Problemlöse- und Prototyping-Kompetenz. Erste Rückmeldungen zeigen, dass die Verbindung von Technologieeinsatz und schulischer Praxis als besonders sinnvoll und motivierend wahrgenommen wird.
Auffällig war, dass das Prototyping ausschließlich mittels 3D-Druck umgesetzt wurde. Als Begründung konnte der niedrigschwellige Zugang, sowie die unmittelbare Anschlussfähigkeit an die identifizierte Problemstellung – die Visualisierung von Drei-Tafel-Projektionen ließ sich schnell in ein physisches Modell überführen, ausgemacht werden. Dadurch entstand laut studentischer Evaluation ein direkter Zusammenhang zwischen Problemwahrnehmung, Entwicklungsidee und materieller Umsetzung.
Eine zentrale Herausforderung für weitere Durchgänge besteht darin, den lösungsorientierten Einsatz von Virtual-Reality-Anwendungen stärker zu fördern und deren didaktisches Potenzial zugänglicher zu gestalten. Geplant ist daher eine intensivere Einführung in immersive Visualisierungsformate sowie die Entwicklung strukturierter Aufgabenstellungen, die den Einsatz unterschiedlicher Technologien gezielt anregen.
Eine weitere Herausforderung bestand darin, genügend Zeit für experimentelles Arbeiten einzuplanen, da iterative Entwicklungsprozesse mehr Raum benötigen als traditionelle Lehrformate. Dies wird ebenfalls im nächsten Durchgang Berücksichtigung finden.
Perspektivisch wird die Lehr-Lerninnovation weitergeführt und curricular vertieft. Die im Bachelor entwickelten Prototypen werden im Masterstudium im Praxissemester erprobt, evaluiert und weiterentwickelt. Ziel ist eine langfristige curricular verankerte Integration des Makerspaces als Lernraum in der bautechnischen Lehramtsausbildung.
Die Lehr-Lerninnovation Next Level Bautechnik – Integration des 3D-Maker-Space zur Förderung räumlichen Denkens in der bautechnischen Lehramtsausbildung
wurde im Rahmen des Themenzertifikats „Didaktik IDEAL – Innovative digitale Lehrpraxis“ an der UDE entwickelt und fügt sich in das Projekt „DigiTeamsBau“, welches im Programm „Berufschul-Digi-Teams“ des Stifterverbandes und des Mercedes-Benz-Fonds gefördert wurde, ein.
Projektlaufzeit DigiTeamsBau:
06.2024 bis 10.2025
Zuletzt aktualisiert: März 27, 2026
Dr.-Ing. Dipl.-Ing. Christian K. Karl
Fakultät für Ingenieurwissenschaften
Abteilung Bauwissenschaften
christian.karl@uni-due.de
(0201) - 183 2849
Lisa Hielscher
Fakultät für Ingenieurwissenschaften
Abteilung Bauwissenschaften
lisa.hielscher@uni-due.de
(0201) - 183 3818





