Integration digitalen Mikrolernens im projektorientierten Masterstudiengang „Angewandte Informatik − Systems Engineering“

Integration digitalen Mikrolernens im projektorientierten Masterstudiengang „Angewandte Informatik − Systems Engineering“

Fakultät

Abteilung für Software Engineering

Organisationseinheit

Master

Studienform

01/2018 bis 12/2019

Förderzeitraum

Im Masterstudiengang Angewandte Informatik − Systems Engineering stellen Projektgruppen ein wichtiges Element der Ausbildung dar. Über clavis, eine mobile Mikrolernplattform, werden die Studierenden während ihrer Projektphasen unterstützt, indem sie on demand auf benötigte Inhalte in Form von kleinen, modularen Lerneinheiten zugreifen können. Clavis unterstützt somit die selbstgesteuerte Aneignung von Wissen und Schlüsselkompetenzen der Studierenden.

Wissen ist nur begrenzte Zeit gültig und muss ständig erneuert werden, nicht nur in der IT. Aber auch die tech­nischen Neuerungen verändern das Lernen, welches sich auf mobilen Endgeräten einer wachsenden Beliebtheit erfreut und unseren Umgang mit Wissensvermittlung zwangsläufig verändert. Hochschullehre trägt heutzutage auch Verantwortung dafür, Studierende nicht nur mit notwendigem Fachwissen, sondern auch mit Schlüsselqualifikationen auf den beruflichen Alltag und die digitale Transformation vorzubereiten, die bereits allgegenwärtig ist. Die Projektarbeit innerhalb des Masterstudiengangs Angewandte Informatik − Systems Engineering (AI-SE) erfordert nicht nur Fachwissen rund um das Projektthema, sondern auch die Unterstützung im Aufbau von Schlüsselqualifikationen (bspw. Skills im Bereich Projektmanagement, Kommuni­kation, verteiltes Arbeiten im Team, selbständige Organisation, Konfliktmanagement, Qualitäts­management, Präsentations- und Kreativitätstechniken, interkulturelle Kompetenzen), die auch im späteren Berufsalltag eine große Rolle spielen. Die klassische Rollenverteilung der universitären Leh­re wird in der projektorientierten Wissensvermittlung aufgebrochen: Professor*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen unterstützen durch Methoden- und Grundlagenwissen, geben die Richtung des Themas vor, moderieren die Projekte und beurteilen sie. Die Studierenden jedoch erarbeiten selbstständig das benötigte Spezial­wissen, recherchieren, entwickeln Ziele und Arbeitspläne und sind somit für Projektmanagement, Qualitätsmanagement, Konfliktmanagement sowie die Realisierung, Evaluation, Dokumentation und Präsentation eigenverantwortlich. Damit einher geht die Notwendigkeit, benötigtes Wissen mit neu­en didaktischen Konzepten aufzubereiten, die die Eigenständigkeit der Studierenden fördern und somit den höher angesiedelten kognitiven Lernzielen gerecht werden. Mobiles Mikrolernen bietet sich daher in der Projektarbeit zur Unterstützung der Wissensaneignung und der Aus­bildung von Schlüsselkompetenzen an.

Im viersemestrigen Masterstudium wird die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen durch das didaktische Konzept des projektorientierten Lernens realisiert, wobei fachliche und nichtfach­liche Kompetenzen in drei größeren praktischen Masterprojekten gefördert werden. Diese nehmen mit je 18 Credit Points einen Großteil des Studiums ein, werden jedoch weiterhin durch sechs Wahl­pflichtmodule zur Spezialisierung in Form von Vorlesungen und Seminaren begleitet. Die Teilnahme an mindestens drei Projekten ist für alle Studierende des Masterprogramms verpflichtend. Sie widmen sich hier in Grup­pen aktuellen Forschungsthemen der Angewandten Informatik und eignen sich praxisnahe Kompe­tenzen selbstständig unter Anleitung an. Die Projekte beginnen mit einer Phase der Wissensvermittlung, die in eine Konzeptions-, Realisierungs- und Dokumentationsphase übergeht. Die Phasen werden in Iterationen immer wieder durchlaufen. Eine Projektgruppe be­steht dabei aus ca. acht Studierenden, hat eine Laufzeit von einem Semester und wird von Profes­sor*innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen eines beteiligten Lehrstuhls betreut. Inhalt und Anzahl der Projekte werden vor jedem Semester neu festgelegt und ausgeschrieben. Studierende müssen konsequent sowohl auf die im Projekt zu erarbeitenden Inhalte, als auch die überfachlichen Qualifikationen vorbereitet werden. Um die Zeitspanne zwischen Erlernen und Ausführen möglichst gering zu halten und auch kurzfristig auftre­tende Fragen während der Projektarbeit beantworten zu können, ist es erforderlich, den Studieren­den das benötigte Wissen just in time zur Verfügung zu stellen. Hierzu wurde eine mobile Lernplattform mit Mikrolerneinheiten entwickelt. Die Studierenden wurden hierdurch unterstützt, selbstorganisiert zu arbeiten, das benötigte (Methoden-)Wissen eigenständig abzurufen (wann und wo es benötigt wurde) und es auf praktische Themen- und Handlungsfelder zu übertragen. Die generierten Mikrolerneinheiten stellten eine sinnvolle Ergänzung zu den klassischen Bildungsformaten des Makrolernens dar. Im der Wissensphase zu Beginn jedes Masterprojekts konnte die Micro-Learning-Plattform für Studierende zur Vor- und Nachbereitung eingesetzt werden. Einzelne Mikrolerneinheiten konnten den Studierenden aber auch gezielt empfohlen werden, um bestimmte Bereiche zu vertiefen oder Aufgaben zu bearbeiten. Relevante Themenbereiche zur Unterstützung der Projektarbeit wurden in einem Mix aus verschie­denen Medienformaten in kurzen Einheiten zur Verfügung ge­stellt. Die Einheiten sind modular aufgebaut und unterliegen keinen Abhängigkeiten untereinander. Das geplante Vorgehen gewährleistet ein individuelles Lerntempo und eine individuell angepasste Zusammenstellung von Lerneinheiten und -medien, um Wissensstand und Präferenzen des Studie­renden gerecht zu werden. Dabei ist die direkte Übertragbarkeit des Gelernten in die praktische An­wendung des jeweiligen Projektkontextes prioritär.

Mikrolernen ist nicht für alle Bereiche geeignet, die am Lehrstuhl für Software Engineering unterrichtet werden. Eine Bereitstellung von ad-hoc benötigten, in die praktische Anwendung übertragbare Informationen ist sehr gut vorstellbar. Schwierigerer erscheint es, das Format gänzlich auf traditionelle Vorlesungen mit komplexen, aufeinander aufbauenden Themenfeldern anzuwenden. Besonderen Nutzen sehen wir in der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, die im akademischen Curriculum oftmals nicht hinreichend berücksichtigt werden, aber einen großen praktischen Nutzen für die Studierenden haben. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich in Hinblick auf Aufwand und Nutzen der Erstellung digitaler Lerneinheiten. Im Projekt wurde sich auf Wissen und Kompetenzen fokussiert, die einen gleichbleibenden und beständigen Wert vermuten lassen und in verschiedenen Veranstaltungen benötigt werden (z.B. Präsentieren und Zitieren, Projektmanagement).

Zuletzt aktualisiert: Nov. 27, 2025

  • Prof. Dr. Volker Gruhn

    Fakultät für Informatik

    Abteilung für Software Engineering

    volker.gruhn@uni-due.de

    (0201) - 183 7051