Geschichte ganz smart – Geschichtslehrerausbildung mit digitalen Formaten innovativ gestalten

Geschichte ganz smart – Geschichtslehrerausbildung mit digitalen Formaten innovativ gestalten

Historisches Institut

Organisationseinheit

Lehramt, Master

Studienform

Format

01/2017 bis 12/2017

Förderzeitraum

Im Rahmen des Projekts Geschichte ganz smart setzen sich die Studierenden didaktisch mit digitalen Medien für den Geschichtsunterricht auseinander. Die Studierenden erwerben Medien- und Methodenkompetenzen und reflektieren über Formen der Integration des Digitalen in den Prozess des historischen Lernens.

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Die zukünftige Arbeits- und Lebenswelt heutiger Schüler*innen wird digital sein. Demgegenüber steht ein in vielen Bereichen weiterhin traditionell erteilter Geschichtsunterricht, der bislang kaum auf den digitalen Wandel reagiert. Methodisch überwiegen Referate, Vorträge und gelenkte Gespräche. Die Studierenden nehmen ebenfalls mit Unverständnis zur Kenntnis, dass sich digitale Angebote der (Schulbuch-)Verlage weitgehend auf digital zugängliche PDFs der analogen (Schul-)Bücher beschränken (http://digitale-schulbuecher.de/). Diese Art der ‚Digitalisierung‘ lässt aber gerade zentrale Möglichkeiten ungenutzt: Interaktivität, Kollaborativität und Produktivität. Studierende erleben in Schulen und Universitäten, dass diese zwar teilweise mit White- oder Smartboards ausgestattet sind. Sie erfahren aber auch, dass keine oder kaum fachspezifische Materialien existieren und sie an der Universität nicht darauf vorbereitet werden, diese Geräte didaktisch qualifiziert in die Lernumgebungen der Universität oder in den Unterricht einzubinden.

Ziel des Projekts Geschichte ganz smart ist es, den Geschichtsunterricht zukunftstauglich zu machen. Die Lehramtsstudierenden des Faches Geschichte sollen einen geschichtsdidaktisch qualifizierten Zugang zu mobilen Endgeräten, Notebooks und interaktiven Whiteboards sowie zu den zahlreichen digitalen historischen Angeboten im Netz erhalten und ihre in unseren Lehrveranstaltungen erworbenen digitalen Kompetenzen in die Schulen tragen.

Im Zentrum des Projektes steht auf der inhaltlichen Seite die wissenschaftlich reflektierte Auseinandersetzung der Studierenden mit den bereits vorhandenen Formen ‚digitaler Geschichtskultur‘. Die Studierenden erwerben, basierend auf dem Konzept der Digital Humanities, entsprechende Medien- und Methodenkompetenzen durch die Anwendung, Analyse und selbständige Gestaltung von Medien. Weiterhin reflektieren sie über Formen der Integration des Digitalen in den Prozess des ‚historischen Lernens‘ sowie im Rahmen der universitären Lehre konkrete Ideen für den schulischen Geschichtsunterricht entwickeln.

Diese Ziele wurden in zwei alternierenden Hauptseminaren (Jenseits von PDF und Geschichte ganz smart) realisiert.

Im Seminar Jenseits von PDF – Das digitale Geschichtsschulbuch haben die Studierenden in Projektgruppen mithilfe geeigneter Software (z.B. iBooks Author und Adobe XD) die Entsprechung einer traditionellen Schulbuchdoppelseite nach geschichtsdidaktischen Prinzipien und den neuen digitalen Möglichkeiten (Multimediale und interaktive Inhalte, Hypertext, Glossare, Textstrukturierungshilfen, Scaffolding und Tutorials, visuelle Unterstützung, multiperspektivische Zusatzquellen, alternative Narrationen aus anderen Schulbüchern/Ländern) gestaltet. Im Gegensatz zu den bereits vorliegenden Produkten (u.a. der Schulbuchverlage) haben die Studierenden dabei die geschichtsdidaktischen Prinzipien (Multiperspektivität, Kontroversität, Narrativität, Geschichte als Konstrukt, Wissenschaftsorientierung, Gegenwarts- und Zukunftsbezug usw.) in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen gestellt.

Im Seminar Geschichte ganz smart – Apps & Co befassten sich die Studierenden mit der Anwendung und inhaltlichen Ausgestaltung von Lernapplikationen im Geschichtsunterricht. Ausgangspunkt waren die frei verfügbaren Apps ‚Biparcours‘ und ‚Learning Apps‘. Diese wurden im Hinblick auf ihre Eignung für das reflektierte historische Lernen untersucht und unter einer geschichtsdidaktischen Perspektive weiterentwickelt.

Die digitale Lernumgebung wirkte auf die Studierenden sehr motivierend. Die Seminare erhielten sehr gutes Feedback, auch im Rahmen der Lehrevaluation. Besonders die integrierten Arbeitsphasen, in denen sich die Teilnehmer*innen – auch in Gruppen – aktiv mit den Geräten und der Software auseinandergesetzt haben, wurden lobend hervorgehoben, da hier der Wert der Veranstaltungen für das spätere Berufsfeld deutlich hervortrat. Darüber hinaus sind aus den Seminaren mehrere Master-Arbeiten hervorgegangen, die den noch recht jungen Forschungszweig auch mit Methoden der geschichtsdidaktischen Empirie erkundet haben.

Zuletzt aktualisiert: Nov. 27, 2025

  • Prof. Dr. Markus Bernhardt

    Fakultät für Geisteswissenschaften

    Historisches Institut

    markus.bernhardt@uni-due.de

    (0201) - 183 3595