digIcon. Digitale Bildkompetenz in der kunst- und bildwissenschaftlichen Lehre

digIcon. Digitale Bildkompetenz in der kunst- und bildwissenschaftlichen Lehre

Institut für Kunst und Kunstwissenschaft

Organisationseinheit

Lehramt, Master

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

Format

04/2020 bis 04/2021

Förderzeitraum

Das Lehr-Lern-Innovationsprojekt digIcon soll internet-basiertes individuelles Lernen zur Entwicklung und Anwendung digitalen Bildwissens fördern. Die Vermittlung grundlegender Kenntnisse und Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien und Bildwerkzeugen soll Studierende zu einer methodisch innovativen wie kritisch-reflektierenden Auseinandersetzung mit digitaler Kunstgeschichte, Kunstvermittlung und medialen Bildpraktiken befähigen.

Der digitale Wandel hat längst auch das Kunstsystem erfasst: Das Google Arts & Culture-Projekt, Instagram-Museen, Online-Sammlungen von Museen, online kuratierte Ausstellungen sowie digital produzierbare wie digital zerstörbare Kunstwerke verdeutlichen, wie umwälzend sich aktuell die digitale Transformation des Kunstsystems vollzieht. Um Kunst in der digitalen Bildergesellschaft erforschen zu können, ist eine Verknüpfung von digitaler Kunstgeschichte mit einer digitalen Bildwissenschaft sowie Studien zu visuellen Kulturen und Bildpraktiken des Digitalen notwendig.

Ziel des digIcon-Projekts war die Sondierung und Anwendung neuer Konzepte und methodischer Instrumente im Theorie- und Praxisbereich digitaler Bild(kunst-)kulturen. Durch den user- und kompetenzorientierten Einsatz digitaler Medien, Bildwerkzeuge und -analyseverfahren sollten die Studierenden zu einer medienkritischen Reflexion über das digitale Bild, seine Produktions- und Rezeptions-, Distributions- und Manipulationsweisen angeregt werden.

DigIcon wurde für den praxisorientierten „Workshop Kunstwissenschaft“ entwickelt, bei dem es sich um eine obligatorische Lehrveranstaltung für fortgeschrittene Studierende im Masterstudiengang Kunst mit Lehramtsoption handelt. Ein moodle-basiertes Blended-Learningszenario unterstützte das sowohl individuelle als auch gruppenzentrierte forschende Lehren und Lernen. Der Einsatz dieses Formates zielte darauf ab, die kunst- und bildwissenschaftliche Lehre am Institut, die weitgehend noch auf klassisch-analogen Lehr-Lern-Situationen basiert, um medienkritische digitale Lehr-Lern-Formen zu erweitern.

Vorbereitung: Mit dem Ziel, fachliche Kompetenzen für Kunst- und Bildwissenschaftler:innen im Bereich digital visual literacy zu entwickeln, erfolgte zunächst die Definition von zentralen digitalen Bildkompetenzen: Bildproduktion, Bilddistribution und Bildrezeption/-analyse. In einem zweiten Schritt wurden diesen digitalen Bildkompetenzen digitale Werkzeuge, Analyseinstrumente und Techniken zugeordnet, die der Suche, Annotation, Referenzierung, Analyse, Bearbeitung, (Ver-)Teilung, Verbreitung und Archivierung von Bildern dienen. Da das virtuelle Lernen über ein Lehr-Lern-Angebot auf der Plattform Moodle erfolgen sollte, mussten konkrete E-Learning-Module für das digIcon-Projekt entworfen werden. Diese umfassten unter anderem die Festlegung der Arbeitsformen und Lernszenarien (s. Durchführung).

Durchführung: Der Einsatz des digIcon-Lernszenarios richtete den „Workshop Kunstwissenschaft“ inhaltlich, methodisch und didaktisch als virtuelles Lernraumangebot neu aus. Der praxistheoretische Mixed-Method-Ansatz, bestehend aus digitaler Anwendungsorientierung in Verschränkung mit theoretischen Medienanalysen und kritischen Bildreflexionen, inkludierte die Masterstudierenden als anwendungsorientierte kreative Forscher*innen und Wissensdesigner*innen und förderte insbesondere kooperative Arbeitsformen.

Nach einer Einführung via Zoom erarbeiteten und testeten die Studierenden in einer ersten virtuellen Selbstlernphase (Lernphase 1, s. unten) die wichtigsten Bildwerkzeuge und -analyseinstrumente in Einzel- und Gruppenarbeit. Hierfür wurden den Studierenden detaillierte Beschreibungen, (Video-)Anleitungen und exemplarische Fragestellungen im Moodle-Kursraum zur Verfügung gestellt. Die Formulierung der Aufgabenstellungen war in dieser Phase besonders zielführend: Klar vorstrukturierte, jedoch ansonsten offene Aufgaben regten die Studierenden zur eingehenden, selbstständigen Erforschung an.

In einer zweiten virtuellen Lernphase (Lernphase 2, s. unten) entwickelten die Studierenden in Gruppenarbeit eigene Forschungsprojekte zum Thema „Kunst im Kontext digitaler Bildkulturen“. Als Grundlage konnten sich die Studierenden dabei an Fallbeispielen digitaler Kunst und Kunstgeschichtsforschung orientieren.

Die Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der beiden Lernphasen erfolgte in gemeinsamen Gruppensitzungen via Zoom.

Lernphase 1 (inkl. vier Lerneinheiten):

Lerneinheit 1: Das digitale Bild. Virtuelle Konstruktion und Manipulation

Lerneinheit 2: Digitale Rekonstruktion und Mapping von Kunstgeschichte und Kulturerbe

Lerneinheit 3: Digitale Ordnung der Bilder. Verwaltung, Archivierung und Verteilung von Bilddaten

Lerneinheit 4: Programmierte Semantisierungen. Digitale (Kunst-)Bildanalyse

Lernphase 2:

Teambasierte Projektentwicklung: Eigene Projektideen zum Thema „Kunst im Kontext digitaler Bildkulturen“

Um den didaktischen Erfolg des Projekts zu überprüfen, erfolgten in der Semesterhälfte sowie am Ende der Vorlesungszeit Befragungen der Studierenden, die gemeinsam mit dem Team „Studentisches Feedback und Lehrevaluation“ des ZHQE durchgeführt wurden. Dabei wurde besonders deutlich, dass die Themenvielfalt und die freie Auswahlmöglichkeit die Studierenden dazu animierten, die Themen verstärkt nach Interesse zu wählen und sich somit motivierter und intensiver mit den einzelnen Aufgaben auseinanderzusetzen. Auf der anderen Seite führte die große Bandbreite an Themen und Aufgaben auch zu einer Unsicherheit seitens der Studierenden bezüglich der genauen Anforderungen. Dem konnte jedoch mit zusätzlichen Leitfäden erfolgreich entgegengewirkt werden.

Darüber hinaus ließ sich beobachten, dass die Studierenden aufgrund ihrer Erfahrungen als „digital natives“ sowie aufgrund der Aktualität der Thematik ein zunehmend gesteigertes Studieninteresse, eine erhöhte Lernmotivation sowie eine interaktive Partizipationsbereitschaft demonstrierten. Diese schlug sich nicht nur in der Aufgabenbearbeitung, sondern auch in den Gruppendiskussionen nieder. Die Studierenden verstanden die gestellten Aufgaben als positive Herausforderungen und vielseitige Perspektivöffner.

Das moodle-basierte Lehr-Lern-Format wurde seitens der Studierenden als sehr unterstützend wahrgenommen: Die toolbasierten Lernaufgaben, die thematisch offen und dennoch klar vorstrukturiert waren, erhöhten die Motivation für eigenverantwortliches Lernen. Sie animierten die Studierenden dazu, selbstständig neue bildkompetente Handlungsweisen im virtuellen Raum zu entwickeln.

Die Projektarbeiten der Studierenden in Lernphase 2 wiesen eine große Experimentierfreude auf und beinhalteten didaktisch innovative Konzepte, die u.a. auch die konkrete Umsetzung im Kontext der künftigen Schulpraxis mit einschlossen.

Die aufgeführten Beobachtungen bestätigen die Erwartungen an das Projekt und unterstreichen die didaktische Relevanz einer innovativen virtuellen Lernumgebung, die den digitalen Wandel aufgreift, einbettet und reflektiert.

Zuletzt aktualisiert: Nov. 27, 2025

  • Prof. Dr. Birgit Mersmann

    Fakultät für Geisteswissenschaften

    Institut für Kunst und Kunstwissenschaft

    birgit.mersmann@uni-due.de

    (0201) - 183 3341

  • Michelle Latta

    Fakultät für Geisteswissenschaften

    Institut für Kunst und Kunstwissenschaft