Neue lernergebnis-orientierte Lehrveranstaltung „Differenzierte Chirurgie“

Neue lernergebnis-orientierte Lehrveranstaltung „Differenzierte Chirurgie“

Fakultät

Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Organisationseinheit

Staatsexamen

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

Format

01/2019 bis 12/2020

Förderzeitraum

Eine Kompetenzorientierte Ausbildung in der Chirurgie sollte neben dem Wissen um chirurgische Krankheitsbilder auch die Differential-Diagnose und -Therapie und das Verständnis für das Management von chirurgischen Patienten vermitteln. Ein Bestandteil ist das Üben klinische Entscheidungen zu treffen. Daneben sollte unser diesbezüglich neu entwickelter Kurs auf das Staatsexamen vorbereiten und die Attraktivität der Chirurgie steigern.

Ein Großteil des Studiums der Medizin besteht aus Vorlesungen und Seminaren mit Frontalunterricht, um die Fülle des medizinischen Wissens zu transportieren. Um aber komplexe ärztliche Kompetenzen vermitteln zu können, wie Problemlösungsstrategien und die Fähigkeit, ethische Entscheidungen zu treffen, bedarf es besonderer Lehrmethoden, die eine aktive und eigenverantwortliche Herangehensweise der Studierenden fördern. An unserer Fakultät haben wir einem neuen, curricular verankerten Kurs, in der Chirurgie entwickelt und umgesetzt, der dieses Defizit adressiert. Studierende des 10. Fachsemester werden seit dem Sommersemester 2018 in 9 chirurgischen Fächern intensiv im „Clinical Decision Making“ geschult.

Es wurde ein Team-based-Learning-Kurs im Inverted Classroom-Format entwickelt. Studierende bereiten sich anhand von Lernzielen im Aufgabenformat online über Moodle vor. Sie erhalten dabei Leitfragen, mit denen Sie sich Faktenwissen eigenständig erarbeiten. Verlinkungen zu entsprechenden Quellen werden zur Verfügung gestellt, aber auch eigene Lehrbücher können genutzt werden. Sie erwerben damit Sachkompetenz in verschiedenen Krankheitsbildern in einem differentialdiagnostischen Kontext. Durch die eigenständige Auseinandersetzung mit den Themen wird dazu die Selbstkompetenz geschult.

In einer Präsenzveranstaltung erfolgt dann ein Fallbasiertes Lernen mit Problemlösungselementen. Zu Beginn erfolgt eine mündliche, aber formale Lernstandabfrage in der Gruppe, um die Relevanz der Online-Vorbereitung zu erhöhen. Des weiteren werden signifikante klinische Fälle präsentiert und unter Supervision von erfahrenen Dozierenden aus den chirurgischen Fächern gelöst. Die Studierenden erarbeiten in Kleingruppen die klinischen Entscheidungen, präsentieren diese in der Großgruppe und erhalten Feedback von den Dozierenden. Zusätzlich wird digital unterstütztes Erarbeiten von anonymisierten Patienten(Bild)material gelehrt. Mit diesem Format erwerben die Studierenden neben einer erweiterten Sachkompetenz auch eine Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz, die für die spätere Berufstätigkeit notwendig ist. Aufbauend auf die spezifischen Lernziele erfolgt die Entwicklung von Problem- und handlungsorientierten Prüfungsfragen für die Abschlussklausur. Es erfolgt ein Abprüfen der Dimensionen „Erkennen, Verstehen und Anwenden“.

Das Projekt hat uns gezeigt, wie aufwendig die Entwicklung einer Lernergebnisorientierten Lehrveranstaltung ist. Es bedarf ein Einbeziehen verschiedener Akteure. Da es sich um eine neue Lehrveranstaltung handelt wurden die Studierenden des ersten Semesters, die diese Umstellung betraf, von Anfang an mit einbezogen. Auf der Seite der Dozierenden ist eine regelmäßige Schulung des ungewohnten Unterrichtskonzeptes notwendig. Aufgrund der Rotation der Semestergruppen durch die neun chirurgischen Fächer ist der Kurs von einer aufwendigen Vorbereitung der Räume (Gruppenplätze, Verteilen von IPads, Vorbereitung der Fallpräsentationen etc.) geprägt. Dies erfolgt in der Regel durch studentische Hilfskräfte.

Das Projekt wurde in einer Mixed-Method-Methode durch eine Fragebogenerhebung und mit Hilfe von Fokusgruppen Interviews nach einem halben Jahr evaluiert. Zusätzlich erfolgte die fakultätsinterne übliche Evaluation über EvaLuna. Der Fragebogen zeigte, neben einer hohen Zufriedenheit mit dem Kurs, dass das Format funktioniert hat. Die Studierenden bereiteten sich regelmäßig online vor und haben mit den Lernhilfen gearbeitet. Sie haben das Wissen im Kurs anwenden können und es herrschte eine hohe Aktivität in den Gruppen. Die Fokusgruppen-Interviews bestätigten, dass das Format zum Lernen motiviert hat, dass es das klinische Arbeiten beeinflusst hat und mutiger für Diskussionen am Arbeitsplatz gemacht hat. Der Kurs wird seitdem unverändert fortgesetzt und durchgehend sehr gut bewertet.

Zuletzt aktualisiert: Nov. 27, 2025

  • Prof. Dr. med. Stephanie Herbstreit

    Medizinische Fakultät

    Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

    stephanie.herbstreit@uni-due.de

  • Prof. Dr. med. Marcel Dudda

    Medizinische Fakultät

    Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

    marcel.dudda@uk-essen.de