Student-peer assessment im Lehramtsstudium Chemie und Biotechnik

Student-peer assessment im Lehramtsstudium Chemie und Biotechnik

Fakultät

Didaktik der Chemie

Organisationseinheit

Bachelor, Lehramt

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

04/2021 bis 04/2022

Förderzeitraum

Protokolle ermöglichen in den Naturwissenschaften eine systematisierte Beobachtung und strukturierte Auswertung von Experimenten. Daher müssen angehende Lehrkräfte im Fach Chemie das Protokollieren trainieren, insbesondere hinsichtlich der Reflexion fachdidaktischer Aspekte, die Schulexperimente betreffen. Um die Qualität der Protokolle in der Lehramtsausbildung Chemie zu verbessern, wurde in diesem Projekt ein digitales student-peer-assessment eingesetzt, bei dem sich die Studierenden gegenseitig Rückmeldungen auf der Grundlage fachlicher und fachdidaktischer Bewertungskriterien geben.

Im fünften Fachsemester des Lehramtsstudiengangs Chemie absolvieren die Studierenden ein Praktikum, in dem sie typische Schulversuche auswählen, durchführen und hinsichtlich ihrer fachlichen und fachdidaktischen Eignung für den Einsatz im Schulunterricht theoretisch und laborpraktisch prüfen und kritisch reflektieren. Die Erfahrungen aus vorherigen Semestern zeigen, dass dies innerhalb der Protokolle anhand festgelegter und transparent dargestellter formaler sowie inhaltlicher Kriterien (z. B. inhaltliche Gliederung, fachliche Korrektheit, didaktische Einordnung) zu erheblichen Problemen bei einigen Studierenden führt. Studierende, die Defizite im Fachwissen aufweisen, können den Gang der Erkenntnisgewinnung im Fach nicht hinreichend im Fachprotokoll nachzeichnen. In Folge können sie auch den Einsatz von Experimenten für Lerngelegenheiten aus fachdidaktischer Perspektive nicht ausreichend analysieren und reflektieren. Indem die Studierenden einen Einblick in die Möglichkeiten der fachlichen und fachdidaktischen Diskussion des Experimenteinsatzes innerhalb der Protokolle leistungsstärkerer Studierender bekommen, erhalten sie die Gelegenheit, ihre fachsprachlichen Kompetenzen hinsichtlich des Aufbaus einer sachlogischen Argumentation innerhalb eines Protokolls weiterzuentwickeln.

Im Prozess des Protokollschreibens werden drei Phasen durchlaufen. In der ersten Phase verfassen die Studierenden ihr eigenes Protokoll. In der anschließenden zweiten Phase erfolgt die gegenseitige Beurteilung in Form eines student-peer-assessments. Dies geschieht anhand vorab definierter formaler und inhaltlicher Kriterien, welche im Seminar erarbeitet werden und in einem Bewertungsbogen zusammengefasst werden. So erhalten die Studierenden die Gelegenheit, sich gegenseitig bei der Erstellung der Protokolle zu unterstützen, ihre eigenen Fähigkeiten in der fachlichen und fachdidaktischen Analyse des Experimenteinsatzes zu verbessern und ihre Bewertungskompetenz zu fördern. Die Beurteilung erfolgt in moodle mit der Funktion „Gegenseitige Beurteilung“. In Phase drei korrigieren die Studierenden ihre Protokolle basierend auf der erhaltenen Rückmeldung und reichen abschließend ihr Protokoll bei ihren Dozierenden ein. Im Verlauf des Semesters wird dieser Prozess insgesamt fünfmal durchlaufen.

Für eine Analyse des Erfolgs dieses Vorgehens werden zunächst die Schwierigkeiten der Studierenden bei der Erstellung einer ersten Version des Protokolls mithilfe eines Kodiermanuals erfasst. Im Anschluss werden die erstellten Rückmeldungen im student-peer-assessment mithilfe eines zweiten Kodiermanuals analysiert. Basierend auf den erhaltenen Daten werden die Progression in der Fähigkeit, Experimente für den Chemieunterricht sowohl aus fachlicher als auch fachdidaktischer Perspektive zu analysieren, im Verlauf des Semesters für einzelne Studierende sowie für die gesamte Kohorte dargestellt.

Der primäre Ertrag des Vorhabens liegt in der Unterstützung der Studierenden bei der Anwendung ihrer fachlichen Kompetenzen auf die fachliche Analyse und fachdidaktische Reflexion. Indem die Studierenden einen Einblick in die Möglichkeiten der fachlichen und fachdidaktischen Diskussion des Experimenteinsatzes innerhalb der Protokolle anderer Studierender bekommen, erhalten sie die Gelegenheit, ihre fachsprachlichen Kompetenzen hinsichtlich des Aufbaus einer sachlogischen Argumentation innerhalb eines Protokolls weiterzuentwickeln. Alle Studierenden profitieren von diesem Vorgehen außerdem hinsichtlich der Förderung ihrer Fähigkeiten in der Bewertung der Arbeitsergebnisse anderer, welche eine wichtige Kompetenz für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern ist. Hierbei werden die Studierenden durch den zur Verfügung gestellten Bewertungsbogen unterstützt, der ihnen Einblicke in die Kategorisierung sowie Gewichtung innerhalb eines Bewertungsbogens und den Umgang mit vorab definierten Bewertungskriterien ermöglicht.

Durch die Analyse der Schwierigkeiten beim Verfassen von Protokollen sowie des student-peer-assessments können Kriterien für eine systematische Unterstützung der Studierenden bei der Erstellung von Protokollen in der Chemie sowie für die Durchführung von student-peer-assessments zur Qualitätsverbesserung formuliert werden, die auch in anderen Teildisziplinen der Naturwissenschaften genutzt werden könnten. Aufgrund der positiven Ergebnisse wurde das Vorgehen dauerhaft in die Lehrveranstaltung implementiert und soll künftig auch in anderen Veranstaltungen genutzt werden.

Zuletzt aktualisiert: Dez. 1, 2025

  • Dr. Helena van Vorst

    Fakultät für Chemie

    Didaktik der Chemie

    helena.vanvorst@uni-due.de

  • Dr. Susanne Gerlach

    Fakultät für Chemie

    Didaktik der Chemie

    susanne.gerlach@uni-due.de

  • Dr. Vanessa Fischer

    Fakultät für Chemie

    Didaktik der Chemie

    vanessa.fischer@uni-due.de

    (0201) - 183 7282