S(t)imulation kompetenzorientierten Lernens: Prüfungstraining für das mündliche Physikum

S(t)imulation kompetenzorientierten Lernens: Prüfungstraining für das mündliche Physikum

Fakultät

Institut für Physiologie

Organisationseinheit

Staatsexamen

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

Format

11/2023 bis 12/2024

Förderzeitraum

Die Initiative „PhysiologieM1ündlich - Prüfungstraining für das mündliche Physikum“ ist ein Projekt des Instituts für Physiologie der Universität Duisburg Essen unter der Leitung von Sandra Winning. Es richtet sich an Studierende der Humanmedizin im 3. Vorklinischen Semester und soll die Studierenden zu eigenverantwortlicher, kleingruppenbasierter Simulation mündlicher Prüfungen als Bestandteil der Lernphase im Fach Physiologie anregen. Schwerpunkt hierbei ist die Übung der Ausformulierung komplexer Sachverhalte.

Medizinstudierende legen bereits nach 4 Semestern ihr 1. Staatsexamen, auch Physikum genannt, ab. Im schriftlichen Teil werden alle Fächer der Vorklinik und im mündlich-praktischen Teil die Fächer Anatomie, Physiologie und Physiologische Chemie geprüft. Dozierende beobachteten zuletzt bei immer mehr Studierenden Schwierigkeiten bei der mündlichen Physikumsprüfung. Dabei fiel besonders die Unsicherheit bei der Verbalisierung komplexer Zusammenhänge auf. Im Vergleich der schriftlichen und mündlichen Staatsexamina Essener Studierender wurde deutlich, dass die mündlichen Leistungen im Regelsemester überproportional abgenommen haben. Zeitgleich sank die Anzahl Prüfungsteilnehmer trotz unveränderter Semestergröße, und es gibt einen wachsenden Anteil Studierender, die den Antritt zum 1. Staatsexamen verzögerten. Für diese Entwicklungen kann es vielfältige Ursachen geben – die vorangegangene, schwierige Lernsituation während der Pandemie ist eine mögliche Erklärung. Möglicherweise versprechen sich Studierende durch einen verspäteten Prüfungsantritt mehr Zeit für die Vorbereitung, ihre Lerndefizite ausgleichen zu können und zu einem späteren Zeitpunkt in der Lage zu sein, ihr Staatexamen besser bewältigen zu können.
Um diesem Trend jedoch entgegenzuwirken, erarbeitete die Physiologie ein Konzept zur Lehrverbesserung, wobei ein großer Fokus auf die mündlichen Prüfungen gelegt wurde.

Um Studierende zu gemeinschaftlichem Lernen anzuregen und sie zudem die gezielte Beantwortung konkreter Fachfragen unter Verwendung des entsprechenden Fachvokabulars trainieren zu lassen, haben wir ein Peer-Tutorium entwickelt. Zum frühzeitigen Einstieg in die mündlichen Prüfungsformate und um eine möglichst angstfreie Vorbereitung auf spätere Prüfungen zu erreichen, haben wir in einem geschützten Rahmen ein Kleingruppentraining mit je 4-5 Studierenden und einer studentischen Hilfskraft als TutorIn etabliert. In diesem Set-up werden die Studierenden motiviert, Lerninhalte zu verbalisieren und zu präsentieren. Dies soll zum einen Prüfungsdruck abbauen („Lampenfieber“, „Blackout„) und weiterhin eine Schulung der Prüfungsrhetorik sowie das Üben der strukturierten Wiedergabe von Inhalten ermöglichen. Der Einsatz der von Dozierenden der Physiologie trainierten TutorInnen soll eine niedrige Hemmschwelle zur Beteiligung an den Prüfungstrainings mitbringen.

Passend zu den Themen der Vorlesung im WS wurden von allen Teilnehmenden Fragen vorbereitet, wie die Teilnehmenden sie für eine mündliche Prüfung erwarten würden und über OpenCampus, welches ein von der medizinischen Fakultät genutztes Online-Lehr-Lernportal ist, eingereicht. Die DozentInnen der Physiologie und die TutorInnen haben aus diesen eingereichten Fragen eine Auswahl für die Trainings zusammengestellt. Während der Trainings wurden Studierende unter Verwendung dieser Fragen sowohl zu Prüfenden als auch zu Prüflingen. Dabei wurden die Einhaltung der Redezeiten (quantitativ) sowie ein Üben und Wiederholen der fachlich relevanten Informationen (qualitativ) durch die TutorInnen angeleitet. Es folgte ein ausgeprägtes Feedback zu Struktur und Leistungsdichte der jeweiligen Antwort.

Das Peer-Tutorium wurde zum ersten Mal im Frühjahr 2023 als gefördertes Projekt der Lehr-Lern-Initiative „Lehre konkret“ angeboten und 2024 aufgrund der hohen freiwilligen Beteiligung und dem positiven Feedback aus der Studierendenschaft fortgesetzt. Das erste Prüfungstraining beinhaltete dabei die Themen „Elektrophysiologie“ und „Muskulatur“, das zweite die Themen „Verdauung“ und „Sinnesphysiologie“. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Themenbereiche etwas einzugrenzen, weil unser Fokus primär darauf ausgerichtet ist, zu beleuchten, wie Studierende Informationen darlegen und auf komplexe Fragen antworten. Darüber hinaus sollte die freiwillige Teilnahme an einer zusätzlichen Lehrveranstaltung den Workload der Studierenden im laufenden Semester nicht erhöhen. Ziel des Prüfungstrainings ist, möglichst viele Studierende auf den Nutzen eines Peer-Trainingsformates aufmerksam zu machen und so eine nachhaltige Veränderung in der Vorbereitung auf insbesondere mündliche Prüfungsformate zu erreichen.

Unsere Lehr-Lerninnovation geht 2025 in die dritte Runde und ist damit noch relativ jung. Subjektiv gesehen sind unsere Peer-Tutorien nahe an dem, was wir uns vorgestellt hatten.

  • Die Atmosphäre ist sehr gelassen, es entsteht kein zusätzlicher Leistungsdruck
  • Die Studierenden sind überwiegend gut vorbereitet und engagiert
  • Die Studierenden sind klarer und strukturierter in ihren Antworten.

Wir hoffen natürlich, dass die Studierende diese Erfahrung mit auf ihren Weg nehmen und neben fachlichem Wissen für die Prüfungen lernen Informationen strukturiert wieder zu geben.

Inzwischen wurden die Physikumsprüfungsergebnisse des ersten teilnehmenden Semesters veröffentlicht. Sowohl die Teilnehmeranzahl also auch die Prüfungsergebnisse nähern sich dem Vor-Corona-Niveau an. Dabei spielt sicher die Rückkehr zur Präsenzlehre eine sehr große Rolle. Zur Bewertung des Einflusses des Prüfungstrainings fehlen uns bisher noch einige Daten. Subjektiv ergab sich die Einschätzung, dass nicht nur wir von der Lehr- und Lerninnovation überzeugt sind, sondern auch die Studierenden. Wir gaben den Studierenden 2023 die Möglichkeit, die Veranstaltung freiwillig zu evaluieren und sie taten es mit großartiger Beteiligungsquote! Insgesamt wurde das 1.Training mit der Schulnote 1,5 und das 2.Training mit 1,4 bewertet. Außerdem haben ca. 80% der Teilnehmenden an beiden Trainingsterminen teilgenommen. 2024 wurde die freiwillige Evaluation angepasst – durch die Ethikkommision der UME genehmigt dürfen nun anonymisiert korrelative Evaluationen durchgeführt werden, die auch adressieren, inwiefern die Peer-Group Vorbereitung Anwendung im studentischen Alltag findet.

In Zukunft werden wir das Projekt weiterführen, es versuchen zu optimieren und schauen, ob sich das Peer-Tutorium auf andere Semester bzw. auf andere Fächer oder Standorte übertragen lässt. Wir sehen in dem Projekt eine große Möglichkeit das Medizinstudium auch langfristig positiv zu beeinflussen.

Beschreibung der LLI auf der Homepage des Instituts für Physiologie: M1ündlich – Prüfungstraining Physiologie

Beschreibung der wissenschaftlichen Auswertung der LLI auf der Homepage: Research Objective Group Professor Fandrey

Poster LLI Homepage Physiologie: PowerPoint-Präsentation

Zuletzt aktualisiert: Feb. 3, 2026

  • Dr. Sandra Winning

    Institut für Physiologie

    sandra.winning@uk-essen.de

    (0201) - 723 4646

  • Dr. Katrin Prost-Fingerle

    Medizinische Fakultät

    Institut für Physiologie

    katrin.prost-fingerle@uk-essen.de

    (0201) - 723 4646