Kompetenzbasierte Prüfungen in der Psychiatrie mit Schauspielpatienteninteraktionen

Kompetenzbasierte Prüfungen in der Psychiatrie mit Schauspielpatienteninteraktionen

Fakultät

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Organisationseinheit

Staatsexamen

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

Format

04/2020 bis 03/2021

Förderzeitraum

In diesem Projekt sollten praktische Fertigkeiten von Medizinstudierenden im psychiatrisch-psychosomatischen Bereich anhand einer Parcours-Prüfung mit SchauspielpatientInnen (SPs) erfasst und deren Performanz anhand zweier Auswertungstools bewertet werden, um eine möglichst objektive Beurteilung der Leistung gewährleisten zu können. Im Rahmen der Prüfung wurden die Interaktionen der (freiwillig) teilnehmenden Studierenden mit SPs auf Video aufgenommen, und sollten von BewerterInnen unterschiedlicher fachlicher Erfahrung anhand der Tools bewertet werden.

Gegenstand des Vorhabens war die Umsetzung kompetenzorientierter Prüfungen im Fach Psychiatrie und Psychotherapie (PP) an der Medizinischen Fakultät der UDE. Prüfungen werden bisher schwerpunktmäßig durch Multiple-Choice-Klausuren abgehalten. Dadurch werden vor allem kognitive Wissensstände erhoben. Ärztliches Handeln lässt sich jedoch angemessener anhand praktischer Prüfungen bewerten. Daher wird eine Einführung praktischer Prüfungen auch in den Staatsexamina erfolgen. Bei der Umsetzung solcher Prüfungen stellt sich jedoch das Problem, die praktische Leistung der Studierenden möglichst valide abzubilden. Dies ist besonders in Fächern wie der PP eine Herausforderung, da Interaktionen lange dauern. Kurze Beobachtungszeiträume reichen daher ggf. nicht aus, um eine valide Beurteilung zu erlangen. Zur Diskussion steht somit die Frage, ob die Kompetenz der Studierenden auch in einer kürzeren Beobachtung gemessen werden kann. Das Vorhaben wurde im Rahmen des Studiengangs Humanmedizin an der UDE implementiert und richtet sich an Studierende des 5. klinischen Semesters. Erstmals am Standort wurden praktische Prüfungen anhand von SP-Interaktionen im Bereich PP gestaltet und der Versuch unternommen, diese valide und ggf. zeiteffektiv auszuwerten. Die Entwicklung von Interaktionen in der PP musste als besondere Herausforderung gesehen werden, da die Prüfbarkeit von Gesprächsführung und empathischer Handlungskompetenz eine Herausforderung darstellt.

Im Rahmen der Parcoursprüfung zum Abschluss des Semesters nach absolvierter Vorlesung und Seminar wurden mehrere Interaktionen mit SchauspielpatientInnen durchgeführt, die eine Reihe typischer Fälle zunächst aus dem Bereich der Psychiatrie- sowie Psychosomatik und Psychotherapie, später auch aus dem Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie und Neurologie darstellten. Die Prüfung fand im Lehr-/Lernzentrum der Medizinischen Fakultät statt und wurde auf Video aufgezeichnet. Die Studierenden bekamen vor jeder Interaktion eine Aufgabenstellung, die je nach Fall variierte (z. B. Erhebung der Krankengeschichte, Verschriftlichung des Befunds, Beratung bzgl. Behandlungsmöglichkeiten). Die Fragestellungen spiegelten so genannte Entrustable Professional Activities wider, also Fertigkeiten, die nach Abschluss des Studiums einem Absolventen anvertraut werden können. Die Studierenden hatten pro Interaktion 8 min Zeit, mussten sich also auf die wesentlichen Fragestellungen in der Interaktion fokussieren und ggf. zusätzlich Schriftliches niederlegen. Nach dem Parcours folgte ein formatives Seminar, in dem Probleme und Rückfragen zu den Fällen diskutiert wurden (z. B. was ist das richtige Vorgehen, wie kommt es zu einer Diagnosestellung, wie schaffe ich es, in kurzer Zeit die relevanten Informationen zu erhalten). Dies diente dazu, individuelle Lernfelder der Studierenden zu identifizieren und die Auseinandersetzung mit der praktischen Interaktion zu erhöhen.

Das Projekt geht in diesem Semester bereits in die dritte Runde. In den drei Semestern sind neben zwei psychiatrischen ein psychosomatischer, ein kinder- und jugendpsychiatrischer und ein neurologischer Fall entwickelt und eingesetzt worden. Erstmals haben wir von dem Studiendekan der Medizinischen Fakultät die Zusage, das Projekt auf Kosten der Fakultät bei allen Studierenden durchzuführen und haben in diesem Semester den Parcours verpflichtend für einen Teil der Studierenden eingeführt. Passend hierzu wurde auch die Struktur des zuvor durchgeführten Seminars verändert, das sich jetzt sehr viel stärker auf Kompetenzen im psychiatrischen Bereich als Vorbereitung für den Abschlussparcours orientiert, d.h. konkret z. B. die Erfragung von Suizidalität oder die Beratung über Psychopharmakatherapie fokussiert (Constructive Alignment).

Leider haben sich weniger freiwillige Studierende gemeldet, als wir uns gewünscht haben, weswegen wir das Projekt über zwei Semester haben stattfinden lassen. Es werden weitere Interaktions-Videos in den kommenden Semestern gesammelt, um valide Daten für die Auswertung mit den Bewertungstools zu erheben. Hierzu gibt es bereits gute Kontakte zu dem Referat Medizindidaktik der Fachgesellschaft (DGPPN). Ein weiteres Tool wird zusätzlich in die Auswertung einfließen, welches bereits an der HHU Düsseldorf eingesetzt worden ist und von einer interessierten Kollegin eingebracht worden ist.

Weiterhin mussten wir im ersten Semester (WiSe 2020/21) COVID-19-Pandemie-bedingt im auf ein Zoom-Prüfungsformat umsteigen, was inhaltlich gut gelaufen ist. Die Studiereden und die SchauspielpatientInnen haben sich über Zoom in einer virtuellen online-Sprechstunde getroffen und so die Interaktionen gestaltet. Im SoSe 2021 konnten wir den Parcours wie geplant im Lehr/Lernzentrum der Medizinischen Fakultät umsetzen und konnten hierbei erfreulicherweise zwei weitere KollegInnen gewinnen, einen Fall beizutragen (Neurologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie). Insgesamt sind somit bereits 5 Fälle in den Interaktionen mit den SPs gelaufen.

Die Rückmeldungen der Studierenden waren positiv, es gab eine Fragebogen-Evaluation, die noch im Verlauf ausgewertet wird. Die Studierenden meldeten allgemein zurück, dass sie das Prüfungsformat für sinnvoll hielten, sich allerdings eine bessere Vorbereitung auf den Parcours wünschten. Dies wird, wie beschrieben, ab diesem Semester erstmals umgesetzt.

Wie oben beschrieben wird die Prüfung durch das Studiendekanat finanziert und wir arbeiten nun an einer besseren Passung zwischen der Lehre in den Seminaren und am Krankenbett sowie der Prüfung.

Zuletzt aktualisiert: Dez. 4, 2025

  • Prof. Dr. med. Katja Kölkebeck

    Medizinische Fakultät

    Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LVR-Universitätsklinik Essen

    katja.koelkebeck@uni-due.de