Hochzeitsgeschäfte in Marxloh
Master
Studienform
Förderprogramm / Auszeichnung
Im Lehrforschungsprojekt Hochzeitsgeschäfte in Marxloh haben die Masterstudierenden im Fach Soziologie im Rahmen eines eigenständigen Forschungsvorhabens die Entstehung der Hochzeitsmodenmeile in Duisburg-Marxloh, die Organisation der Geschäfte sowie ihre Kundschaft untersucht.
Persönliches Alltagswissen und persönliche Lebenserfahrungen in die Forschung einfließen lassen
Im Allgemeinen nehmen die Studierende die Lehrveranstaltungen im Bereich vergleichender und transnationaler Soziologie als interessant wahr, aber sehen deren Inhalte als wenig verbunden mit ihrer Vorstellung potentieller Arbeitsmöglichkeiten nach dem Studium. Wir bemühen uns deswegen, den Studierenden zu zeigen, wie globale und transnationale Themen eng mit ihrem Alltag verbunden sind. Im Rahmen des Projekts sollten die Studierenden ihr persönliches Alltagswissen und ihre persönlichen Lebenserfahrungen in die Forschung einfließen lassen, um zu lernen, wie sie dieses Wissen aus soziologischer Perspektive hinterfragen und reflektieren, um daraus eigene Fragestellungen zu formulieren, die sie mit ihren erworbenen Fähigkeiten eigenständig beantworten können.
Transnationaler Charakter der Hochzeitsmeile
Die Projektwahl fiel auf die Hochzeitsgeschäfte in Marxloh, da die Läden auf der Hochzeitsmeile einen stark transnationalen Charakter aufweisen und Kunden aus verschiedenen Ländern anziehen, sodass wirtschaftssoziologische, migrationstheoretische und stadtsoziologische Aspekte in ihren lokalen und transnationalen Dynamiken berücksichtigt werden konnten. Neben der internationalen Kundschaft betreiben die Geschäftsbetreiber auch enge Kontakte mit der Türkei, womit auch die globale Wertschöpfungskette der Produkte analysiert werden konnte. Globale und transnationale Themen konnten auf diese Weise für die Studierenden unmittelbar greifbar und analysierbar gemacht werden.
Vielfältige Akteure
Da die Existenz der Hochzeitsmeile nicht nur von den Läden und den Kunden abhängt, sondern auch von der Beteiligung der Stadt und anderer lokaler Akteure, bot sich den Studierenden ein Netz von vielfältigen Akteure, die „von außen“ bzw. auf theoretischer Ebene nur schwer nachzuvollziehen sind. Der Kontakt der Studierende mit dieser Vielfalt an Akteuren sollte ihnen ermöglichen, diese Zusammenhänge unmittelbar zu erfahren und ihnen auch neue Berufsfelder eröffnen, an die sie für ihre zukünftige Berufsplanung anschließen können.
Acht Projektphasen: vom Einstieg bis zur Präsentation
Phase 1: Einstieg in das Thema (3 Wochen)
Ziel: Bekanntmachung mit dem Gegenstand und Identifikation wichtiger Dimensionen des Phänomens
Die beteiligten Studierende bildeten drei Gruppen, um Informationen über das Hochzeitsgeschäft in Duisburg-Marxloh aus drei Perspektiven zu sammeln: (1) Stadt, (2) Presse und (3) Forschung. Es fanden wöchentliche Treffen statt, um über die jeweiligen Fortschritte zu sprechen.
Phase 2: Einstieg in die theoretische Debatte (3 Wochen)
Ziel: Selbständige Arbeit in der Reflexion über theoretische Ansätze und deren Anwendbarkeit auf das Forschungsprojekt
Die Studierenden haben sieben Gruppen gebildet, um sich mit der theoretischen Erfassung der Kerndimensionen der Hochzeitsmeile – Markt, Stadt und Migration – zu beschäftigen. Jede Gruppe hat eine Diskussion über einen theoretischen Ansatz vorbereitet und in Form eines Referats präsentiert. Auf dieser Grundlage wurden drei Gruppen gebildet, die sich hauptsächlich mit (a) der Beziehung der Läden der Hochzeitsmeile mit den städtischen Akteuren – Gruppe Stadt, (b) der Organisation der Geschäfte – Gruppe Geschäft und (c) den Kunden beschäftigten – Gruppe Kunden.
Phase 3: Erstellung des Forschungsplans (7 Wochen)
Ziel: Betonung der Bedeutung guter Forschungsplanung und Reflexion dieses Sachverhalts
Die Studierenden haben eine wissenschaftliche Fragestellung formuliert und einen fünfseitigen Forschungsplan konzipiert, der ihr Vorgehen festlegte und als Orientierung im weiteren Verlauf diente. Diese Phase schloss auch eine Stadtführung in Marxloh in Partnerschaft mit einer lokalen zivilgesellschaftlichen Organisation ein, die den Studierenden den Zugang zum Feld erleichterte und gleichzeitig gestattete, über die ersten aufgestellten Hypothesen zu reflektieren.
Phase 4: Datenerhebung (17 Wochen)
Ziel: Erhebung der notwendigen Daten, die grundlegend für die Beantwortung der Fragestellung sind
Gemäß ihrer Forschungsplanung haben die Studierenden die empirischen Daten erhoben. Die Studierenden dokumentierten ihr Vorgehen in individuellen Forschungstagebüchern, um sie zur Reflexion von Erfolgen und Problemen anzuregen, die sie dann in individuellen Sitzungen mit den Lehrenden besprechen konnten.
Phase 5: Auswertung der Daten (8 Wochen)
Ziel: Auswertung der erhobenen Daten, um eine Antwort auf die Fragestellung zu formulieren
In dieser Phase lag das Hauptaugenmerk auf der Auswertung der erhobenen Daten und umfasste die Analyse und konzeptionelle Rückbindung an den theoretischen Rahmen der Fragestellung.
Phase 6: Erstellung eines Konzepts (4 Wochen)
Ziel: Strukturierung der Antwort auf die angepasste Fragestellung mit Einbezug der Theorie
Nach intensiver Auseinandersetzung mit den empirischen Daten diskutierten die Studierenden über die Bedeutung ihrer Ergebnisse im Licht der soziologischen Theorie. Angeregt durch die vorherigen Diskussionen präsentierten sie ein ausgereiftes Konzept für den Endbericht.
Phase 7: Verfassung eines Forschungspapers (10 Wochen)
Ziel: Erstellung eines Endberichts über das Lehrforschungsprojekt in Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes, um die Präsentation von Forschungsergebnissen in schriftlicher Form zu üben
In dieser Phase haben die Studierende ein Forschungspaper mit den Ergebnissen ihrer Forschung verfasst.
Phase 8: Präsentation der Ergebnisse (1 Woche)
Ziel: Übung einer professionellen Forschungspräsentation
Die Studierenden haben ihre Ergebnisse im Rahmen des Soziologischen Kolloquiums präsentiert.
Rückblickend konnte festgestellt werden, dass dieses Lehrveranstaltungsmodell ein hohes Maß an Individualisierung im Studium ermöglicht, weil die Studierende ihre eigenen Interessen verfolgen und die Durchführung der Aufgaben gemäß ihrem Zeitplan anpassen können.
Die positiven Erfahrungen mit dem Lehrforschungsprojekt haben uns bewogen, das Projekt als freiwillige, außer-curriculare Veranstaltung in Form eines Labs weiterzuführen. Das Lab Marxloh folgt im Grunde den gleichen Grundsätzen: Das heißt wir begleiten Studierenden bei der Entwicklung, Durchführung und Auswertung eigener Forschungsprojekte zu Marxloh und unterstützen sie bei der Aufbereitung und Vermittlung der Inhalte. Außerdem bieten wir in diesem Rahmen eine Reihe passender Workshops an, die für alle Studierenden geöffnet sind und den Projektteilnehmer*innen zudem die Möglichkeiten bieten, ihre Projekte mit externen Expert*innen zu besprechen.
Das Projekt Hochzeitsgeschäfte in Marxloh wurde mit dem Innovationspreis für hochschuldidaktische Innovationen in der Lehrpraxis 2018 ausgezeichnet.
Zuletzt aktualisiert: Nov. 21, 2025
Dr. Laurens Lauer
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften
Institut für Soziologie
laurens.lauer@uni-due.de
Dr. Glaucia Peres da Silva
Universität Tübingen
glaucia.peres-da-silva@uni-tuebingen.de





