Grundlagen der Wissenschaftskommunikation
Fakultät
Institut für wissenschaftliche Schlüsselkompetenzen
Organisationseinheit
In meinem Lehrprojekt „Grundlagen der Wissenschaftskommunikation“ geht es um Methoden der Reduktion von Komplexität, des Storytellings, der Rhetorik und der zielgruppenorientierten Präsentation von Wissenschaft in der Öffentlichkeit. Das Projekt richtet sich an Studierende aller Fachbereiche, die Interesse daran haben, ihre kommunikativen Fähigkeiten im Hinblick auf die Vermittlung von Inhalten ihres Fachgebietes in der Öffentlichkeit zu stärken.
Wissenschaftskommunikation ist eine Schlüsselkompetenz für alle Fachbereiche und wird daher in das Programm des IwiS implementiert. Die Herausforderung besteht insbesondere in der Vermittlung von passiven Kompetenzen der kritischen Beurteilung von Wissenschaftskommunikation und den aktiven Fähigkeiten zur Kommunikation von Erkenntnissen aus dem eigenen Fachgebiet. Nicht alle Studierende wollen aktiv kommunizieren, doch alle werden mit öffentlicher Kommunikation von Wissenschaft konfrontiert. Somit wurde die Lehr-Lerninnovation ins Leben gerufen, um mittels neuer didaktischen Methoden den Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihre Kompetenzen auf einem Gebiet ihrer Wahl zu entwickeln. In dieser Hinsicht stößt Wissenschaftskommunikation in den Raum zwischen Schul- und Hochschuldidaktik, da Wissenschaftler*innen mit einer offenen Zielgruppe unterschiedlicher Motivation und Bildung kommunizieren. Darüber hinaus multiplizieren sich die Formate in den verschiedenen öffentlichen, privaten und sozialen Medien. Dieser Pluralität gilt es ebenso, didaktisch zu begegnen. Der das Thema betreffende Forschungsstand ist derzeit noch sehr im Lehrbuch- und Beispielhaften verankert. Einzelstudien und Praxisanleitungen überwiegen bei den wissenschaftlichen Publikationen. Der Auslöser für die Lehr-Lerninnovation war insofern der Wunsch, die einzelnen Medien und Themenfelder der Wissenschaftskommunikation auf eine grundlegende Systematik zu fokussieren und für die Lehre didaktisch aufzubereiten.
Das Lehrprojekt ist als Hybridveranstaltung aufgebaut, bei der die Studierenden sich selbst den Anteil von Präsenz- und asynchroner Lehre aussuchen können. Es werden 14 Sitzungen angeboten, in denen anhand von praktischen Beispielen, Übungen und Diskussionen das Thema „Wissenschaftskommunikation“ erschlossen wird. Die Grundlagen vermittelt ein Online-Kurs des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWiK), den die Studierenden im Laufe der Veranstaltungen kostenlos belegen können. Im Moodle-Kurs werden verschiedene Aufgaben angeboten. Die Studierenden können diese Aufgaben alternativ zu oder in Kombination mit den Seminarsitzungen absolvieren. Es gibt Aufgabenblätter mit schriftlichen Übungen, theoretische und Beispieltexte, deren Lektüre durch Tests überprüft wird, Tests zur Ergebnissicherung, die über die Anwesenheit in den Sitzungen, aber auch durch entsprechende Unterrichtsmaterialien vorbereitet werden können sowie Foren, in denen Studierende eigene Impulse schreiben oder Impulse anderer Studierender kommentieren können. Bei den schriftlichen Übungen wird die Nutzung von textgenerierenden KI-Anwendungen (LLM) ausdrücklich unterstützt, wobei eine Anzeige sowie die Reflektion im Umgang mit diesen Anwendungen dafür vorausgesetzt wird.
Für jede Art von Leistung, ob Anwesenheit in Sitzungen, schriftliche Aufgaben, Tests oder Forumsbeiträge erhalten die Studierenden Punkte (Gamification-Konzept). Sobald eine bestimmte Anzahl von Punkten erreicht wird, gilt der Kurs als bestanden mit der Note 4,0. Je mehr Punkte gemacht werden, desto besser wird ab diesem Punkt die Note. Die Studierenden können sich jederzeit über ihren Punktestand informieren. Der Kontakt zum Seminarleiter ist auch für diejenigen, die den Kurs komplett asynchron absolvieren, durch ein Frageforen sowie durch regelmäßige Online-Sprechstunden garantiert.
Im Sinne eines modernen Constructive Alignment reicht es nicht, analytische und kommunikative Fähigkeiten gleichermaßen zu vermitteln. Studierenden muss es freigestellt sein, in welche Richtung sie ihr vorhandenes Potential entwickeln wollen. Hierbei spielt das Learning Environment eine wichtige Rolle, da Wissenschaftskommunikation längst Teil des medialen Alltags geworden ist. Konzepte des Seamless Learning erscheinen insofern besonders geeignete hochschuldidaktische Methoden für dieses Thema. Die Studierenden können ihren Schwerpunkt selbst wählen, vom rein analytischen Zugang zu theoretischer Literatur und medialen Beiträgen der Wissenschaftskommunikation bis hin zur Erstellung eigener Beiträge. Zudem zeichnet sich der E-Bereich, in dem das Lehrprojekt implementiert ist, dadurch aus, dass viele Studierende für das Seminar keine Note benötigen. Mit dem Lehrprojekt können sie selbst den Aufwand und die entsprechende Note bestimmen. In jedem Fall ist ein entsprechender Lerneffekt gewährleistet.
Das Lehrprojekt wird erstmals im Sommersemester 2026 in die Praxis umgesetzt. Daher gibt es zum Zeitpunkt der Dokumentation noch keine Evaluation oder Rückmeldung von Studierenden.
Während der Konzipierung des Seminars sind mir bereits zwei Vorzüge des Lehrprojekts aufgefallen. Die Materialien und deren Zugänge für Studierende können zum einen wesentlich breiter aufgestellt werden, ohne dass eine Pflicht und damit eine Kontrolle der Beschäftigung mit bestimmten Materialien etabliert werden muss. Davon verspreche ich mir eine besser Lernatmosphäre und eine bessere Beziehung zu den Studierenden in meinem Seminar. Die Vergabe von Punkten ersetzt den Zwang zur Durchführung gewisser Aufgaben. Zum anderen werden die Möglichkeiten zur Arbeit mit dem Material vielfältiger, da Aufgabenstellung, Bearbeitung und Reflektion nicht unbedingt innerhalb einer Sitzung absolviert werden muss. Dies führt im Ganzen zu einer größeren Vielfalt von Material und Methoden.
Es ist geplant, das Lehrprojekt als Teil eines Angebots zum Thema „Wissenschaftskommunikation“ im IwiS fest zu etablieren. Persönlich eruiere ich im Moment die Möglichkeit, weitere meiner Seminar im Sinne des Seamless Learning und des Gamification-Konzeptes neu zu strukturieren. Das hängt von zwei Faktoren ab: Das Konzept sollte zum einen Studierenden in unterschiedlichen Lebenssituationen die Möglichkeit geben, ihr Learning Environment selbst zu gestalten. Dies trüge dem Umstand Rechnung, dass die Fachkräfte-Ausbildung im Sinne des lebenslangen Lernens für Studierende in Betreuungssituationen sowie für Studierende sämtlicher physischer und psychischer Voraussetzungen ermöglicht wird. Sofern das Konzept in diesem Sinne positiv aufgenommen wird, könnte dies zum zweiten zu einer Steigerung der intrinsischen Motivation aller Studierender des Seminars führen. Sollte dies eintreten, werde ich in Zukunft mehr Seminare mit dieser konzeptionellen Gestaltung anbieten.
Zuletzt aktualisiert: März 6, 2026
Dr. Christian Krumm
Institut für wissenschaftliche Schlüsselkompetenzen
christian.krumm@uni-due.de
(0201) - 183 6199





