Childhood and Youth from a Global Perspective

Childhood and Youth from a Global Perspective

Institut für Erziehungswissenschaft

Organisationseinheit

Bachelor, Master

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

Format

04/2021 bis 07/2021

Förderzeitraum

Unter dem Titel „Childhood and Youth from a Global Perspective“ organisierte die AG Sozialisationsforschung im Sommersemester 2021 eine virtuelle Lehr-Lern-Kooperation mit Dozierenden und Studierenden der Ton Duc Thang University in Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Kooperation bringt Studierende beider Universitäten zusammen und regt den Austausch über Kindheit/Jugend an. Die Studierenden in Deutschland präsentieren in bi-nationalen Studierendengruppen Befunde zur Kindheit/Jugend hierzulande; die beteiligten Dozierenden geben Input über Fachvorträge und laden die Studierenden in gemeinsamen Sitzungen zur Diskussion ein.

Als Kindheitssoziologinnen gehen wir davon aus, dass Kindheit gesellschaftsabhängig ist, d.h. dass in unterschiedlich strukturierten Gesellschaften auch unterschiedliche Vorstellungen von Kindheit bestehen und unterschiedliche Bedingungen des Aufwachsens vorherrschen. In einem kindheitssoziologischen Seminar (BA Erziehungswissenschaft und BA Soziale Arbeit) erschien uns die Kooperation mit Vietnam vielversprechend, weil es sich um eine Gesellschaft handelt, die sich in vielerlei Hinsicht von unserer Gesellschaft unterscheidet, etwa in Bezug auf die generationale Ordnung, der Position und Funktion von Kindern in der Gesellschaft. Dies stellte den inhaltlichen Ausgangspunkt für die Entwicklung des Lehrprojekts dar.

Die Pandemie, die das bisher bekannte universitäre Leben auf den virtuellen Austausch verlagerte, wurde als Chance genutzt, in der virtuellen Welt weniger lokal gebunden zu agieren und stattdessen den Austausch mit Studierenden und WissenschaftlerInnen im Ausland zu suchen. Die Kooperation hat den wichtigen Mehrwert, die Variabilität von Kindheit und generationalen Gefügen nicht nur über wissenschaftliche Studien bzw. die Lektüre wissenschaftlicher Texte zu verstehen, sondern auch im Austausch mit vietnamesischen KommilitonInnen und WissenschaftlerInnen zu konkretisieren. Damit regt der bi-nationale Austausch dazu an, die eigenen selbstverständlichen Vorstellungen über Kindheit zu reflektieren.

In der ersten Phase des Online-Seminars haben sich die Studierenden der UDE dem Thema Aufwachsen in Deutschland und Vietnam genähert. Dazu bereiteten die Studierenden zu jeder Sitzung einen wissenschaftlichen Text oder empirisches Material vor. Während der Sitzung erhielten die Studierenden ein Inputreferat von den Dozierenden sowie einen Arbeitsauftrag, der im Anschluss in Kleingruppen zu bearbeiten war, beispielsweise die Vorbereitung einer Präsentation für die vietnamesischen KommilitonInnen, in der Strukturen und Bedingungen des Aufwachsens in Deutschland empirisch fundiert vorgestellt wurden.

Das erste Treffen mit den KommilitonInnen und WissenschaftlerInnen aus Vietnam fand in der zweiten Hälfte des Seminars statt. In der ersten gemeinsamen Online-Sitzung lag der Fokus auf Kindheiten in Deutschland. Vorbereitet wurde diese zum einen von den deutschen Studierenden, die ihre Präsentationen den KommilitonInnen vorab zur Verfügung stellten. Zum anderen stellten in der synchronen Sitzung Jessica Schwittek und Alexandra König Ergebnisse aus einer eigenen Studie zum Aufwachsen von Flüchtlingskindern in Deutschland vor. Nach einer Diskussion im Plenum trafen sich die Studierenden in Breakout-Sessions, um über den Vortrag und die studentischen Präsentationen zu sprechen.

Das zweite Treffen fokussierte Kindheit, Jugend und Familie in Vietnam. Prof. Dr. May präsentierte hierzu Befunde aus eigenen Studien. Auch hier schloss eine gemeinsame Diskussion im Plenum und ein Austausch unter Studierenden in Breakout-Session an, für den die Studierenden im Vorfeld einen kleinen Arbeitsauftrag erhalten hatten.

Die Lehr-Lernkooperation ist auf der deutschen Seite im Modulelement „Pädagogischer Umgang mit Heterogenität“ angesiedelt. Die innovative Form des Seminars erlaubte, nicht nur Theoriemodelle und empirische Befunde zu heterogenen Kindheiten und Jugend kennenzulernen, sondern diese auch in Interaktion mit den vietnamesischen Teilnehmenden zu diskutieren, eigene selbstverständliche Annahmen über Kindheit und die eigene positionsgebundene Perspektive zu reflektieren. Zudem wurden die Studierenden in den bi-nationalen Gruppenarbeiten ganz konkret zu einem „Umgang mit Heterogenität“ herausgefordert, insofern unterschiedliche lebensweltliche wie auch wissenschaftliche Erfahrungen zusammenkamen. Es mussten kooperativ Lösungen für die gestellten Aufgaben gefunden werden und dabei mit der Heterogenität der Perspektiven und Erwartungen gearbeitet werden.

Die Lehrkooperation beruhte auf neu geknüpften Kontakten, so dass kaum auf gemeinsame Routinen zurückgegriffen werden konnte. Entsprechend stellte das Seminar nicht nur die Studierenden, sondern auch uns Dozierende immer wieder vor neue Überraschungen und Herausforderungen. Gleichwohl konnten nicht nur gewinnbringende internationale Lernprozesse ermöglicht, sondern auch digitale Lehrelemente (englischsprachige Videovorträge, Anleitungen zu Arbeitsaufträgen, Textgrundlagen) entwickelt werden, die für die weitere Nutzung zur Verfügung stehen.

Beeindruckt waren wir von dem großen Engagement, mit dem die Essener Studierenden die bi-nationalen Sitzungen vorbereitet haben. Für sie, so wurde es rückgemeldet, war es eine spannende Aufgabe, eigene fachliche Beiträge in solch einem Rahmen zu präsentieren. Der Austausch in den Breakout-Sessions funktionierte nicht in allen Gruppen gleich gut, teils wurde ausgewichen auf allgemeine Themen wie die geteilte Erfahrung der Pandemie. Auch das sind jedoch relevante Erfahrungen im Umgang mit solch außeralltäglichen Situationen, die nur bedingt planbar sind. Überrascht wurden wir etwa von der großen Resonanz auf vietnamesischer Seite. Statt der erwarteten 30 waren plötzlich weit über 100 Angehörige der Partneruniversität im Zoom-Raum, so dass die Zusammenarbeit in den Break-out-Sessions spontan neu organisiert werden musste. Trotz Schwierigkeiten, vielleicht auch wegen dieser, war das Feedback insgesamt sehr positiv.

Eine andere wichtige Erfahrung für uns Organisatorinnen war der Austausch mit den Dozierenden und der Verwaltung der vietnamesischen Partneruniversität, die sich auf unser Kooperationsangebot nicht nur eingelassen haben, sondern dieses konstruktiv mitgestaltet haben. Für das Wintersemester 2021/2022 ist der Ausbau der gemeinsamen Lehrveranstaltung in Vorbereitung. Veränderungen wird es beispielsweise in Bezug auf die Struktur der Breakout-Sessions geben. Darüber hinaus werden auch Fragen der inhaltlichen Abstimmung, der Organisation (bspw. hinsichtlich der Zeitverschiebung und unterschiedlicher Term-/Semesterzeiten) und der technischen Umsetzung (bspw. Zugänge zu Lehr-Lernplattformen) schon frühzeitig in die Planung aufgenommen.

Zuletzt aktualisiert: Nov. 27, 2025

  • Prof. Dr. Alexandra König

    Fakultät für Bildungswissenschaften

    Institut für Erziehungswissenschaft

    alexandra.koenig@uni-due.de

  • Dr. Jessica Schwittek

    Fakultät für Bildungswissenschaften

    Institut für Erziehungswissenschaft

    jessica.schwittek@uni-due.de