Branching-Szenarien: Eine Alternative zu Schauspielpatient*innen?

Branching-Szenarien: Eine Alternative zu Schauspielpatient*innen?

Fakultät

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Organisationseinheit

Staatsexamen

Studienform

Förderprogramm / Auszeichnung

Format

04/2022 bis 03/2023

Förderzeitraum

In dem Projekt ging es um die Entwicklung von Branching-Szenarien, um auch ohne Schauspielpatient*innen Studierenden der Medizin die Möglichkeit zu geben, typische Situationen aus dem klinischen Alltag durchspielen zu können. Diese sollten zeit- und ortunabhängig einsetzbar sein. Typische Krankheitsbilder sollten vorgestellt und Lösungswege für klinische Situationen aufgezeigt werden.

Der Trend in der medizinischen Lehre bewegt sich zu mehr eigenverantwortlichem Lernen, z. B. anhand von inverted classroom Konzepten, bei denen das theoretische Lernen im Selbststudium erfolgen soll. Parcours-Prüfungen mit standardisierten medizinischen Situationen, bei denen auch Schauspielpatient*innen eingesetzt werden, werden zunehmend häufiger in der Abfrage von praktischem Wissen eingesetzt. Die Vorbereitung auf solche Prüfungsformate ist für Studierende schwer zu erreichen. In dem Vorhaben sollten eine kostengünstigere, stärker standardisierte Gestaltung von simulierten Interaktionen geschaffen und eine bessere Vorbereitung der Studierende auf praktische Prüfungsformen ermöglicht werden. Ziel sollte sein, dass Studierende in Seminaren und in der Vorlesung erworbenes theoretisches Wissen an einem simulierten Fall anwenden können sollten. Das Format richtete sich an Medizinstudierende im 9. Semester, da diese in diesem Semester den Großteil der psychiatrisch-psychotherapeutischen Lehre durchlaufen. Das Vorhaben sollte in die curriculare Pflicht-Lehre an der Medizinischen Fakultät der UDE eingebettet werden. Branching-Szenarien basieren auf einem virtuellen Dialog mit simulierten Interaktionspartner*nnen, der sich aus der Auswahl einer korrekten Antwort aus einem Set möglicher Antworten aufbaut; eine suboptimale Antwort sollte eine entsprechende Reaktion bei den simulierten Interaktionspartner*innen hervorrufen.

Im ersten Semester wurden zunächst Skripte für die Branching-Szenarien im Lehrteam der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie entwickelt. Es wurden drei typische Fallkonstellationen aus der Psychiatrie entwickelt, die für den Einsatz in einem Branching-Szenario umgesetzt werden sollten (Suizidalität, angespannter Patient mit Psychose, Angstpatientin in der Notaufnahme). Geplant war ein Entscheidungsbaum, bei dem im Kontakt mit dem Patienten/der Patientin bestimmte Fallstricke umgangen werden sollten. Nach Rücksprache mit dem Technischen Entwicklungsteam der Universität Bonn wurden diese dann auf zwei Wegen umgesetzt, die eine bessere Akzeptanz bei den Studierenden als eine reine Branching-Szenarien erwarten ließen: zum einen eine Umsetzung der entwickelten Fälle in Twine, einem Programm, in dem Branching-Szenarien umgesetzt werden können, sowie Videofälle, die mit H5P in Moodle bearbeitet und von Studierenden mit MC-Fragen, kleinen Kommentaren und Diagnoseabfragen versehen werden können. Für die Videofälle haben wir insgesamt 4 Videos mit Schauspielpatient*innen aufgenommen und exemplarisch je einen optimalen und einen suboptimalen Verlauf gedreht. Diese vier Videos wurden dann in H5P für den Einsatz in Moodle bearbeitet. Des Weiteren haben wir zwei Fälle in Twine vorbereitet, bei denen wir mit Bildern gearbeitet haben, die in Twine auf dem eigenen Rechner oder im Moodle-Programm eingebunden werden können. Insgesamt sind so sechs Medien entstanden, die die Studierenden zum Eigenstudium, eingebettet in die Lehre der Klinik, zu Hause nutzen können.

Die Erstellung der Materialien hat deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als dies zunächst vermutet wurde. Nach der Rückmeldung aus Bonn mussten wir die Fälle für die neuen Formate nochmal umschreiben, die Bearbeitung in Moodle war durch Zugangsbeschränkungen erschwert, die Videonachbearbeitung und die erneute Rückmeldungsschleife hat deutlich länger gedauert als ursprünglich angenommen. Daher wurden die Videos erst jetzt fertiggestellt.

Wir planen jedoch den Einsatz auf unserer Lehrplattform im Lauf der folgenden Semesters, so dass alle nutzenden Studierenden uns eine Rückmeldung geben können.

Zuletzt aktualisiert: Dez. 4, 2025

  • Prof. Dr. med. Katja Kölkebeck

    Medizinische Fakultät

    Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LVR-Universitätsklinik Essen

    katja.koelkebeck@uni-due.de