Von der Theorie in die Lehr-Praxis der Allgemeinen und Physikalischen Chemie: Forschendes Lernen
Das Projekt zielt darauf ab, das Forschende Lernen in die Chemie-Lehre im Bachelor-Studium an der UDE zu implementieren. Durch das Forschende Lernen sollen die Studierenden befähigt werden, den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess selbst zu durchlaufen und dabei ihre Fähigkeiten im evidenzbasierten Argumentieren, fachspezifischen kritischen Denken und Problemlösen zu verbessern.
In dem Projekt ging es darum, semesterübergreifend das evidenzbasierte Argumentieren, fachspezifische kritische Denken sowie die Problemlösungskompetenz im Chemiestudium zu entwickeln. Diese Fähigkeiten sind für angehende Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler von entscheidender Bedeutung, da sie für eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten erforderlich sind.
In der Vergangenheit konnte festgestellt werden, dass Studierende trotz solidem Fachwissen immer wieder Probleme in den genannten Kompetenzbereichen haben. Dies kann dazu führen, dass sich Studierende später Probleme bei der Anwendung von Fachwissen auf neue Situationen haben und in der Entwicklung von fachspezifischem, kritischen Denken gebremst werden.
Das Lehrkonzept zielt darauf ab, die Studierenden in die Lage zu versetzen, den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess selbst zu durchlaufen und dabei ihre Fähigkeiten selbstgesteuert zu verbessern. Durch die Implementierung des Forschenden Lernens in die Vorlesungen Physikalische Chemie III und Allgemeine Chemie sollte ein Gesamtkonzept entwickelt und umgesetzt werden, welches die Studierenden befähigt, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.
Das didaktische Design orientierte sich am Ansatz des Forschenden Lernens, der darauf abzielte, Studierende aktiv in den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess einzubinden. Die Studierenden sollten nicht nur fachliche Inhalte rezipieren, sondern diesen Prozess eigenständig durchlaufen und reflektieren. Dadurch sollten sie schrittweise dazu befähigt werden, Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.
Der gewählte Lösungsansatz bestand darin, die Studierenden systematisch an authentische wissenschaftliche Fragestellungen heranzuführen. Durch die eigenständige Auseinandersetzung mit Originalpublikationen sowie deren Analyse und Interpretation wurden insbesondere Kompetenzen im evidenzbasierten Argumentieren, im fachspezifischen kritischen Denken sowie im Problemlösen gefördert. Folgende Arbeitsschritte wurden durchgeführt:
- Auswahl geeigneter Originalpublikationen:
Die Studierenden arbeiteten mit ausgewählten wissenschaftlichen Originalpublikationen, die sie selbstständig erschlossen, analysierten und interpretierten. - Studierendengerechte Aufbereitung der Originalpublikationen:
Die Publikationen wurden didaktisch aufbereitet, um einen niederschwelligen Zugang zu komplexen fachlichen Inhalten zu ermöglichen, ohne den wissenschaftlichen Anspruch zu reduzieren. - Prä-Test zentraler Kompetenzen:
Zu Beginn des Projekts wurden die Fähigkeiten der Studierenden im fachspezifischen kritischen Denken, im evidenzbasierten Argumentieren sowie im Problemlösen mithilfe geeigneter Instrumente erhoben. - Implementierung des Forschenden Lernens in die Vorlesungen:
Die Lehrveranstaltungen wurden so gestaltet, dass die Studierenden den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess aktiv und eigenständig durchlaufen konnten. - Zwischenevaluierung durch die Studierenden:
Während der Projektlaufzeit reflektierten die Studierenden ihre Lernprozesse, Fortschritte und Herausforderungen und gaben entsprechendes Feedback. - Abschlussevaluierung durch die Studierenden:
Am Ende des Projekts erfolgte eine abschließende Reflexion der gemachten Erfahrungen sowie der wahrgenommenen Kompetenzentwicklung.
Insgesamt konnte durch die Umsetzung des Forschenden Lernens ein kohärentes Lehrkonzept realisiert werden, das die aktive Rolle der Studierenden im Lernprozess stärkte und zur gezielten Förderung zentraler wissenschaftlicher Kompetenzen beitrug.
Die Implementierung des Forschenden Lernens in die Chemie-Lehre war ein Erfolg, aber auch eine Herausforderung. Durch die Beteiligung der Studierenden am Forschungsprozess konnten wir die genannten Kompetenzbereiche verbessern. Die Studierenden zeigten großes Interesse und Engagement bei der Arbeit an den Forschungsfragen und Hypothesen.
Eine wichtige Erfahrung war, dass die Studierenden zunächst Schwierigkeiten hatten, die Forschungsfragen und Hypothesen zu verstehen und zu bearbeiten. Dies lag daran, dass sie nicht genügend Erfahrung mit dem Forschenden Lernen hatten. Um dies zu überwinden, mussten wir die Studierenden intensiv unterstützen und anleiten.
Eine weitere Herausforderung war die Auswahl geeigneter Forschungsfragen und Hypothesen. Wir mussten sicherstellen, dass die Fragen und Hypothesen für die Studierenden zugänglich und interessant waren, aber auch dass sie den Anforderungen des Faches entsprachen.
Trotz dieser Herausforderungen war die Implementierung des Forschenden Lernens ein Erfolg. Die Studierenden zeigten großes Interesse und Engagement bei der Arbeit an den Forschungsfragen und Hypothesen, und ihre Fähigkeiten im evidenzbasierten Argumentieren, fachspezifischen kritischen Denken und Problemlösen verbesserten sich. Die wichtigsten Lessons Learned aus diesem Projekt sind:
- Die Implementierung des Forschenden Lernens erfordert eine intensive Unterstützung und Anleitung der Studierenden.
- Die Auswahl geeigneter Forschungsfragen und Hypothesen ist von entscheidender Bedeutung.
- Die Studierenden müssen genügend Erfahrung mit dem Forschenden Lernen haben, um erfolgreich zu sein.
- Die Implementierung des Forschenden Lernens kann die Fähigkeiten der Studierenden im evidenzbasierten Argumentieren, fachspezifischen kritischen Denken und Problemlösen verbessern.
Diese Erfahrungen und Lessons Learned werden uns helfen, die Implementierung des Forschenden Lernens in Zukunft weiterzuentwickeln.
Zuletzt aktualisiert: Dez. 17, 2025
Prof. Dr. Sebastian Schlücker
Fakultät für Chemie
Physikalische Chemie
sebastian.schluecker@uni-due.de
(0201) - 183 6843





